Zeitung Heute : Musik auf vier Rädern

Viele Neuwagen verfügen bereits über die Schnittstellen für iPod & Co., für andere gibt es Adapter

Kai Kolwitz

Mobile Geräte zum Abspielen von MP3-Musik gibt es wie Sand am Meer – aber: Was ist eigentlich mit dem Auto? In den Auto-HiFi-Bereich hat die Technik etwas später Einzug gehalten als in anderen Bereichen – inzwischen sind Umstieg oder Aufrüstung aber in fast allen Fällen ohne allzu hohe Kosten möglich. Fast jedes heute erhältliche CD-Radio kann mit einer CD umgehen, auf der MP3-Dateien gespeichert wurden. Ungefähr zehn konventionelle CDs passen auf so eine Silberscheibe.

Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten: „Viele Hersteller bieten heute eine Schnittstelle zum Apple-Player iPod – das ist nur noch ein Häkchen auf der Aufpreisliste“, erläutert Sven Hansen, Multimedia-Experte bei der Computerzeitschrift „c’t“. Das bedeutet: Bestellen, iPod anschließen und Musik hören – das Autoradio steuert das Abspielgerät.

Auch Nachrüstradios verfügen zunehmend über iPod-Schnittstellen. Falls nicht, sind bei Markengeräten oft Adapter verfügbar, die preislich meist um die 100 Euro liegen – das gilt sogar für viele ältere Geräte, wenn sie über einen Anschluss für einen CD-Wechsler verfügen: „Der Adapter spielt dem Radio dann vor, der iPod sei solch ein Wechsler“, erklärt Hansen. Die Anschlüsse gibt es oft auch dann, wenn damals gar kein externer CD-Player mitgekauft wurde. Hansens Tipp: „Man ersteigert zum Beispiel bei Ebay einen Player mit kaputtem Akku. Die Stromversorgung wird dann über ein Autoladekabel hergestellt.“ Allerdings: Auch vom iPod existieren inzwischen mehrere Generationen und teilweise arbeiten die Adapter mit der ersten nicht zusammen – eine Frage, die man vor dem Kauf klären sollte.

Aber auf dem Markt finden sich noch weitere Konzepte. So gibt es inzwischen Radios mit USB-Anschluss, in die ein Speicherstick eingeschoben werden kann. „Die Musik wird am Computer zusammengestellt und auf den Stick übertragen. Die Geräte sind so klein, dass man sie am Schlüsselbund mit sich herumtragen kann“, so Hansen. Bei einer Kapazität von einem Gigabyte lassen sich so etwa 15 normale CDs ans Radio hängen. Vereinzelt sind sogar Geräte auf dem Markt, die mit Computerfestplatten arbeiten – bei Kapazitäten von 20 Gigabyte und teils deutlich mehr lässt sich so die komplette Musiksammlung ins Auto bringen. Hansen gibt allerdings zu bedenken: „Festplatten sind empfindlich und das Auto ist eine extreme Umgebung.“ Temperaturen von minus 20 bis plus 50 Grad, dazu harte Stöße – schlägt der Lesekopf dabei einmal auf die Platte, hat sich das Musikvergnügen vielleicht für immer erledigt.

Und was tun, wenn keine der bisher genannten Möglichkeiten funktioniert? Dann verfügt das Autoradio möglicherweise über einen Line-In-Eingang. Zu erkennen ist dieser Eingang an den beiden Buchsen, die auch dazu verwendet werden, die Komponenten der Stereoanlage im Wohnzimmer zu verkabeln. Die Anschlüsse verbergen sich meist in den zum Radio gehörenden Kombi- Steckern, wobei die Belegung je nach Hersteller variiert. Auch in diesem Fall gibt es wiederum Adapter, die eine Verbindung zwischen dem Autostecker und einem Klinkenstecker für die Kopfhörerbuchse des MP3-Spielers herstellen. Der Nachteil hierbei: Die Musikstücke müssen weiterhin am MP3-Player ausgewählt werden – je nach Gerätegröße kann das während der Fahrt in ziemliche Fummelei ausarten.

Wenn wirklich alle Stricke reißen, kann eine so genannte Adapterkassette helfen. Diese Kassetten werden in den Schacht des Autoradio-Kassettengeräts geschoben und auf der anderen Seite mit dem Kopfhörerausgang des MP3-Players verbunden. „Das ist billig, allzu große Ansprüche an den Klang sollte man aber nicht stellen“, so der „c’t“-Experte.

Eine ganz andere Falle droht, wenn im Auto Musikdateien von Shops wie iTunes, Musicload und Co. abgespielt werden sollen. Denn das digitale Rechtemanagement der Dateien bringt jedes Radio, das die Dateien direkt von CD oder Speicherstick abspielt, ins Schleudern: „Die meisten neuen Radios können zwar mit den WMA-Dateien umgehen, die bis auf iTunes fast jeder Online-Shop verkauft – aber das heißt noch lange nicht, dass sie auch mit dem Rechtesystem harmonieren müssen“, sagt Hansen.

Wie bei den mobilen Abspielgeräten gilt auch im Auto: Vor dem Kauf eine CD mit Musik aus den Internetshops testen. Dies gilt nicht, wenn der iPod oder ein anderer mobiler Player über Schnittstelle, Adapter, Line-Eingang oder Adapterkassette angeschlossen wird. Dann ertönt im Auto alles, was auch der MP3-Player abspielen kann.

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