Zeitung Heute : Musik im Internet: Napster bekommt Konkurrenz

pos/dih

Die großen Medienkonzerne formieren sich für den Kampf um das Internet-Musikgeschäft. Die französische Vivendi Universal S.A. hat auf der Fachmesse Milia in Cannes angekündigt, gemeinsam mit Sony im Sommer einen Abonnement-Service für Musik per Internet zu starten. Dann will auch der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann sein neues Musikangebot auf Basis der umstrittenen Tauschbörse Napster ins Rennen schicken.

Vivendi Universal sieht sich als zweitgrößten Kommunikationskonzern der Welt. Vorstandschef Jean-Marie Messier sagte in Cannes, der digitale Musikvertrieb sei eine einmalige Chance für sein Unternehmen. Nicht nur im Musikgeschäft, auch in den Bereichen Erziehung, Spiele, Sport und Filme will er Vivendi Universal zu einem der drei größten Anbieter von Internet-Inhalten machen. Gestern startete der Konzern das weltweite Lernportal www.education.com, das sich an Schüler, Lehrer und Eltern gleichermaßen wendet. Auf dem Markt der Computerspiele ist der Konzern schon heute die Nummer zwei.

Gemeinsam mit dem japanischen Partner Sony deckt Vivendi Universal rund 40 Prozent des Weltmarktes für Musik ab. Doch Sony ist nicht nur Partner für Software, sondern auch für Hardware. Die Partner wollen ihr digitales Musikangebot auf Mobiltelefone, Set-Top-Boxen für den Fernseher und tragbare Endgeräte bringen. Messier sagte voraus, dass der Internet-Musikmarkt alleine in den USA im Jahr 2004 bereits vier Milliarden Dollar groß sein werde. Zwei Drittel davon werde auf Abonnement-Systeme entfallen, ein Drittel auf die Zahlung pro heruntergeladenem Musikstück.

Bertelsmann hatte sich im Herbst 2000 mit der bis dahin von der Musikindustrie heftig bekämpften Tauschbörse Napster verbündet, die bereits 60 Millionen Nutzer zählt. Der deutsche Konzern will aus Napster einen kostenpflichtigen Dienst zum Vertrieb seines Musikangebots machen. Im Sommer plant Bertelsmann mit einer kommerziellen Version der Tauschbörse Napster.com massiv in den Onlinemusikvertrieb einzusteigen. Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff könnte Universal Music vom Platz Eins im Weltmusikmarkt verdrängen und so die Ausgangsposition für sein juristisch angeschlagenes Projekt Napster verbessern. Entscheidend dürfte dann letztlich sein, welcher Plattform (und welcher Technik) sich der letzte der großen Majors, Warner Music, anschließen wird.

Die Zukunft von Napster ist auch nach dem mit Spannung erwarteten Gerichtsurteil vom Montag weiter offen. Ein US-Berufungsgericht in San Francisco bestätigte eingeschränkt die einstweilige Verfügung gegen das US-Unternehmen. Die Vorinstanz habe die ursprüngliche Verfügung aber zu weit gefasst und müsse sie daher jetzt modifizieren, erklärten die Richter. Nach dem Urteil wird dem Unternehmen Napster nicht - wie von den auf Urheberrechtsverletzung klagenden Musikunternehmen verlangt - sofort der Tausch mit urheberrechtlich geschützten Musiktiteln untersagt.

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