Zeitung Heute : Musik und Seifenkisten
23.08.2006 00:00 UhrDass die Geschäftsleute am 26. und 27. August zur großen Feier „100 Jahre Kaiserdamm“ einladen können, haben sie auch dem Bürgersinn der Anwohner zu verdanken – denn nur dadurch behielt die 1906 eröffnete Straße ihren Namen, der an Kaiser Wilhelm II. erinnert. Eine Umbenennung in „Adenauerdamm“ löste ab April 1967 so starke Proteste aus, dass sie im Januar 1968 rückgängig gemacht wurde.
Den Weg zum Jubiläumsfest ebnete die Gründung der „Kaiserdamm IG“ vor zwei Jahren. Das Bezirksamt hatte den Zusammenschluss der Händler, Gastronomen, Hoteliers und weiteren Anrainer vorgeschlagen. Heute gibt es rund 40 Mitglieder. Auch Opel-Händlerin Heidi Hetzer trat der Interessengemeinschaft bei und leistet mit den Oldtimern einen Beitrag zum Fest, obwohl ihre Autohandlung einen Straßenblock entfernt in der Knobelsdorffstraße liegt.
Bis 1904 war der spätere Kaiserdamm ein Sandweg. Doch mit dem „Heerstraßenprojekt“ entstand eine 50 Meter breite Prachtstraße, die vom Tiergarten bis zum Truppenübungsplatz Döberitz bei Spandau reichte.
Während der Nazizeit wurde die Straße nochmals ausgebaut. Albert Speer entwarf eine Paradenstrecke samt der doppelarmigen Gußeisenleuchten, die erhalten geblieben sind.
Heute reicht der Kaiserdamm vom Sophie-Charlotte- bis zum Theodor-Heuss-Platz. Östlich geht die Verkehrsader als Bismarckstraße und Straße des 17. Juni weiter, im Westen folgt die Heerstraße.
Bekanntester Anlieger ist der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) mit einigen seiner Gebäude, während der angrenzende Lietzensee viele Erholungssuche anzieht. In der Gegend wohnten einst Prominente wie die Schauspielerin Inge Meysel, der Schriftsteller Alfred Döblin oder der Gründer des Renaissance-Theaters, Ferdinand Bruckner. Die bunt gemischte Geschäftswelt dient vor allem der Nahversorgung; einige der Mittelständler behaupten sich seit vielen Jahren gegen Center und Filialisten.
Die größte Beachtung fand der Kaiserdamm 1984: Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins startete hier die 74. Tour de France. Eine Tradition haben aber auch die Seifenkistenrennen, die beim Jubiläumsfest im Mittelpunkt stehen: Bereits 1953 bis 1955 hatten mutige Fahrer in rollenden Holzkisten tausende Zuschauer angelockt.
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