Muslimische Feiertage : Feste feiern

Die Türkische Gemeinde in Deutschland hat sich dafür ausgesprochen, Schulkindern an einem muslimischen Feiertag freizugeben. Dabei gibt es Regelungen für religiöse Feiertage in der Schule. Wie sehen die aus?

Sigrid Kneist

In diesem Jahr fällt der Beginn des Opferfestes, des höchsten muslimischen Feiertags, auf den 27. November, einen Freitag. Eigentlich ist dies für Berliner Schüler ein ganz normaler Schultag. Aber nicht für die vielen muslimischen Kinder und Jugendlichen. Sie können das Fest angemessen mit ihren Familien feiern; sie haben an diesem Tag schulfrei. So sieht es eine Rechtsvorschrift vor. In Stadtteilen wie Kreuzberg, Wedding oder Neukölln sind deshalb Schulen mit einem hohen Anteil von türkisch- oder arabischstämmigen Schülern zum Opferfest schon seit Jahren beinahe verwaist. Das gleiche gilt für das Zuckerfest, mit dem das Ende des Ramadan gefeiert wird. Allerdings ist nur am ersten Tag des eigentlich drei Tage dauernden Festes schulfrei. Dieser Tag fiel in diesem Jahr auf einen Samstag (19. September). Für den hohen muslimischen Feiertag müssen Eltern sonst die Freistellung nicht einmal beantragen; sie ist verbindlich festgeschrieben. Die Juristen der Berliner Bildungsverwaltung berücksichtigen auch, dass nicht alle islamischen Glaubensrichtungen dieses Datum anerkennen: manche begehen das Fest einen Tag später. Wer am späteren Tag freihaben möchte, muss dies allerdings beantragen. In der Vergangenheit hat es nämlich Schüler gegeben, die sich die Verwirrung um das korrekte Datum zunutze gemacht haben, um einfach beide Tage zu fehlen.

Wie Schulen mit religiösen Festtagen, auch den nichtchristlichen, umgehen sollen, bestimmen die Bundesländer selbst – meist über Erlasse oder Rechtsverordnungen. Berlin hat eine Ausführungsvorschrift, in der geklärt ist, wie neben den muslimischen Feiertagen mit evangelischen, katholischen und jüdischen Feiertagen umzugehen ist. Die katholischen Schüler etwa dürfen am Dreikönigstag (6. Januar), Fronleichnam und zu Allerheiligen (1. November) zu Hause bleiben, jüdische Schüler unter anderem beim Passah-, Laubhüttenfest und Jom Kippur. Und seit diesem Jahr können evangelische Kinder und Jugendliche auch am Buß- und Bettag oder dem Reformationstag der Schule fernbleiben. Diese beiden evangelischen Feiertage sind in dem in der Vergangenheit stark protestantisch geprägten Berlin seit Jahren keine gesetzlichen Feiertage mehr. Für Schüler anderer Glaubensrichtungen – etwa orthodoxe Christen oder Buddhisten – müssen die Eltern Beurlaubungen für die entsprechenden Feiertage beantragen.

„In der Vergangenheit haben die Feiertagsregelungen problemlos geklappt“, heißt es beim katholischen Erzbistum Berlin. Sprecher Stefan Förner hält es nicht für zielführend, lediglich einen schulfreien Tag bei einem muslimischen Fest einzuführen. Dafür hatte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, plädiert, um damit „ein Zeichen der Toleranz“ in der Gesellschaft zu setzen. „Wenn aber ein breiter gesellschaftlicher Konsens für einen solchen gesetzlichen Feiertag da ist, dann wird dieses nicht an der katholischen Kirche scheitern“, sagt Förner.

Die evangelische Kirche nimmt eine kontroverse Haltung ein. Es gebe einen „Vorrang für christliche Feiertage in der Kultur unseres Landes“, sagt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Berliner Landesbischof, Wolfgang Huber. Aber auch er befürwortet, dass muslimische Schüler an ihren Feiertagen nicht zur Schule gehen müssen.

Noch weiter als Huber geht der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle in seiner Ablehnung. „Die Feiertage in Bayern haben sich aus einer jahrhundertealten christlich-abendländischen Kultur und Tradition entwickelt und werden bis heute mit Leben erfüllt“, sagt Spaenle. Eine solche Entwicklung sei für den Islam im Freistaat aber nicht nachzuweisen. Das bayerische Kultusministerium verweist darauf, dass es in den vergangenen Jahren sogar nötig war, „selbst angestammte und tief in der Bevölkerung verwurzelte christliche Feiertage aktiv zu verteidigen“. Gleichwohl können sich Muslime wie auch Angehörige anderer Religionen an bayerischen Schulen zu bestimmten Tagen beurlauben lassen.

Sehr ausführlich hat das nordrhein- westfälische Bildungsministerium einen Katalog mit Festtagen verschiedener Religionen festgelegt, der sogar die Glaubensrichtungen der Bahá’i oder der Syrisch-Orthodoxen umfasst. Schulleiter in Nordrhein-Westfalen haben die Möglichkeit, eine Beurlaubung für die entsprechenden Feste für die gesamte Schulzeit auszusprechen. Bei den alevitischen Muslimen sind für dieses Jahr beispielsweise neun Feiertage aufgeführt. Theoretisch kann sich ein alevitischer Schüler für jeden dieser Tage beurlauben lassen. „Es gibt keine Obergrenze“ , sagt ein Ministeriumssprecher. Christliche Schüler können darüber hinaus auch für Kirchentage oder sogenannte Rüstzeiten beurlaubt werden – möglichst aber nicht länger als für eine Woche.

Relativ kurz gefasst sind die Vorschriften in Ländern wie Hessen, Sachsen oder Brandenburg. Aber im Grundsatz folgen auch sie alle der Maxime: Wer einen hohen Feiertag seiner Religion ehren möchte, kann eine Freistellung für diesen Tag beantragen.

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