Zeitung Heute : Mut in den Knochen

CHRISTOPH FUNKE

Uwe Eric Laufenberg, RegisseurDie Putzfrau, das Dienstmädchen auf dem Theater - interessiert uns das? Gibt es privates Familienglück, wenn anders kein Halt mehr zu finden ist, wenn das Elend herrscht? Und welche Möglichkeiten hat das Theater selbst - wildes Leben oder konservative Gestelztheit? Für Uwe Eric Laufenberg, der am Maxim Gorki Theater "Die Ratten" von Gerhard Hauptmann inszeniert, bringt die Berliner Tragikomödie, 1911 im Lessing-Theater uraufgeführt, "auf den Punkt", was uns auch heute noch beschäftigt.Theaterdirektor Hassenreuter und Theologiestudent Spita stoßen in erbitterter Debatte aufeinander.Harro Hassenreuter spielt Manfred Karge, die ein geborgtes Glück suchende Frau des Maurerpoliers John Katharina Thalbach.Damit hat Laufenberg gleich zwei erfahrene Regisseure im Ensemble - macht das die Arbeit kompliziert? "Regisseure als Schauspieler sind unglaublich angenehm", sagt Laufenberg."Sie geben, wenn sie eine Rolle spielen, das Bestimmende aus der Hand.Aber wenn sie im Probenprozeß den Mund aufmachen, dann haben sie auch etwas zu sagen."
Laufenberg, 1960 in Köln geboren, ist Absolvent der Folkwangschule in Essen und selbst Schauspieler.Er begann am Schauspiel Frankfurt (Main), machte dort seine ersten Inszenierungen, arbeitete dann in Köln und am Zürcher Schauspielhaus, in Basel und Bonn.Auch Opern hat Laufenberg inszeniert, in Innsbruck und Gelsenkirchen.In Berlin stellte sich der Regisseur mit "Slawen!" von Tony Kushner im Maxim Gorki Theater und mit "Caligula" von Albert Camus im Deutschen Theater vor, von der nächsten Spielzeit an ist er Oberspielleiter am Maxim Gorki Theater.Für einen gerade 37jährigen eine erstaunliche künstlerische Biographie, zeugend von zupackender Neugierde, von Impulsivität, von frischer Leidenschaft.So stellt sich Laufenberg auch im Gespräch dar, sicher und rasch, überlegen und freundlich.Kein Grübler sitzt einem da gegenüber, sondern ein Theatermacher, der Spaß an seiner Arbeit hat und sie zu übertragen versucht. Deshalb fing Laufenberg, bei den Klassikern, "immer von vorn "an.Also: "Clavigo", "Die Räuber", "Stützen der Gesellschaft".Von den heute schreibenden Autoren sucht er zu jenen eine Beziehung, die ihre Texte selbst mit ausprobieren, wie Ulrich Woelk und Harald Kuhlmann."Die abstrakt schreibende Avantgarde interessiert mich nicht." Laufenberg läßt sich dabei nicht auf einen Stil eingrenzen.Viele Theatermittel will er so anwenden, wie sie auf die Stücke passen, wie sie seiner Sicht auf die Welt entsprechen.Größtmögliche Freiheit also - gibt es die auch für einen leitenden Regisseur? Theaterarbeit hält Laufenberg nur dann für sinnvoll, wenn sie kontinuierlich mit einem Ensemble erfolgt."Ich war zumeist in festen Verträgen", sagt er, und so scheut er sich nicht vor dem Versuch, im Maxim Gorki Theater Schauspieler zusammenzuführen, die dort teils seit Jahrzehnten, teils seit kurzer Zeit erst arbeiten.Die Tradition des Hauses ist für ihn Ansporn, das "Familientheater" im negativen Sinn allerdings möchte er überwinden.Mit Intendant Bernd Wilms und Chefdramaturg Oiver Reese sieht er sich dabei auf einer Linie.Gelang ihm bei "Slawen!" die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den "Alten" des Ensembles, so soll nun bei "Ratten" die Zusammenführung der Generationen erfolgen: "Die Jungen dürfen sich in Berlin nicht den Mut aus den Knochen nehmen lassen." Laufenberg will lebendiges, aufmüpfiges Theater machen, das berühmte Namen nicht scheut, aber auf die eigenen Kräfte setzt."Mein Theaterbegriff definiert sich über die Schauspieler" - die Premiere von Hauptmanns Tragikomödie, bewußt in eine Reihe mit "Berliner Stücken" gestellt, wird erweisen, welchen Erfolg Laufenberg mit seinem Ensemble hat.CHRISTOPH FUNKE

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