Zeitung Heute : NACH DEM 2:1 ÜBER BRASILIEN IM ACHTELFINALE: Norwegen feiert Kjetil Rekdal

KLAUS ROCCA

MARSEILLE .Kjetil Rekdal hat Norwegens Fußball-Nationalmannschaft ins Achtelfinale bei der Weltmeisterschaft in Frankreich geschossen.Eine Minute vor dem Schlußpfiff verwandelte der Libero von Hertha BSC einen allerdings höchst fragwürdigen Foulelfmeter zum 2:1 (0:0)-Siegtreffer gegen Weltmeister Brasilien.Im Stadion Vélodrome zu Marseille war Rekdal nach dem Schlußpfiff der gefeierte Mann.Da interessierte es auch keinen der 60 000 Zuschauer mehr, daß sie 78 Minuten lang ein bestenfalls mittelmäßiges Spiel gesehen hatten.Zunächst schoß Bebeto den Titelverteidiger in Führung, und da waren die Norweger eigentlich schon ausgeschieden.Fünf Minuten später gelang Tore Andre Flo dann der Ausgleich, und in der 89.Minute spielte Schiedsrichter Barhamast aus den USA Schicksal.Junior Baiano hatte Tore Andre Flo kaum berührt, trotzdem entschied der Unparteiische auf Elfmeter.Und den verwandelte Rekdal zum kaum mehr für möglich gehaltenen Siegtreffer.

Mit letztem Einsatz waren die Brasilianer ohnehin nicht mehr bei der Sache.Wer wollte es ihnen verdenken.Vielleicht war es auch der große Respekt vor diesem Gegner, der sie im Vorjahr in Oslo in einem Freundschaftsspiel 4:2 besiegt hatte.Vor allem dank Tore Andre Flo, der nach diesem Spiel "Flonaldo" genannt wurde.Auch gestern machte Flo, mit seinem Gardemaß von 193 Zentimetern gegen die antrittsschnelleren Brasilianer im Nachteil und einzige Sturmspitze, oft eine gute Figur.Immerhin schoß er den Ausgleich und holte den entscheidenden Elfmeter heraus.

Rekdal, als einziger mit gelben Schuhen aufgelaufen, führte im Mittelfeld klug Regie, verfehlte einmal nur knapp das Tordreieck.Auf der Gegenseite spitzelte er dem einschußbereiten Cafu in letzter Minute den Ball vom Fuß.Ronaldo hatten die Norweger, vom weitaus größeren Teil der Zuschauer unterstützt, in der ersten Halbzeit relativ sicher im Griff.Brasiliens Superstar ließ so manches Mal bei seinen Dribblings seine Klasse aufblitzen, doch viel kam dabei nicht heraus.Auffallend oft lief er auch in die Abseitsfalle der norwegischen Viererkette.

Nach einer Stunde hätten die Norweger eigentlich nur mit zehn Spielern auskommen müssen, doch Schiedsrichter Baharmast drückte beide Augen zu, als der Ersatzmann Mykland den schnellen Roberto Carlos böse über die Klinge springen ließ.Die Gelbe Karte war ein Witz.Es hat bei dieser Weltmeisterschaft schon für weitaus harmlosere Fouls den "Marschbefehl" gegeben.

Die gute Stimmung unter den Brasilien-Fans konnte auch diese krasse Fehlentscheidung nicht trüben.Schon früh schmetterten sie ihre Schlachtgesänge in den sternenklaren Abendhimmel von Marseille.Bis ihnen dann der Schlußspurt des kecken Außenseiters den Abend verdarb.

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