Zeitung Heute : NACH DEN AUSSCHREITUNGEN BEI DER WM: Rufschädigung für alle Biertrinker

PARIS .Die Exzesse bierseliger Krawallmacher am Rande der Fußball-Weltmeisterschaft bereiten nicht nur Organisatoren und Sicherheitskräften Kopfzerbrechen.Im klassischen Weintrinker-Land Frankreich sorgen sich die ersten Brauereien um ihr Image."Unsere schlimmsten Feinde sind die, die uns am meisten lieben", stellte in diesen Tagen die französische Kronenbourg-Brauerei in ganzseitigen Anzeigen fest.Sie versuchte, das Ausmaß der drohenden Rufschädigung mit Hinweisen auf Fair-Play und Appellen an die Vernunft zu begrenzen."Diejenigen, die Bier übers Maß hinaus trinken, tun nicht nur sich selbst weh", warnt die Brauerei.Das zum Danone-Konzern gehörende Unternehmen ist nicht das einzige, das besorgt ist.

Inoffiziell äußern auch Vertreter anderer Brauereien ihre Sorge.Denn die WM in Frankreich ist trotz arger Werbe-Beschränkungen für Alkohol- und Tabakfirmen durch die nationale Gesetzgebung ("Evin-Gesetz") mit großen Hoffnungen der Bierbranche verknüpft.Auf dem Spiel steht ein hoher Einsatz.Die US-Brauerei Anheuser-Busch ("Budweiser") als einer der Haupt-Sponsoren hat in die WM nicht nur Erwartungen investiert, um ihre Produkte auf dem europäischen Markt bekannt zu machen.Rund 100 Millionen Franc (30 Millionen Mark) soll sie dafür an die FIFA-Marketingagentur ISL überwiesen haben.Da sie ihr Bier nur außerhalb Frankreichs öffentlich bewerben darf, versucht sie dort mit Sonderaktionen, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern.

Geizig waren auch Deutschlands Brauereien nicht.So hat etwa die Bitburger Brauerei nach Medien-Berichten rund 20 Millionen Mark in ihre WM-Kampagne investiert.Bei der Werbeschlacht um den Kunden hat sie sich mit Nationaltrainer Berti Vogts zugleich einen der Entscheidungsträger beim Kampf um den WM-Titel verpflichtet.

Doch die Sympathie-Werbung ist mit TV-Bildern Bierdosen schwenkender und werfender aggressiver WM-Fans konfrontiert.Dabei arbeiteten französische Journalisten - die sich noch vor wenigen Tagen über einen Skandal in den heimischen Weinbergen erregten - einen besonderen Aspekt des Zusammenhangs zwischen Bier-Konsum und Krawall heraus."Die von den Hooligans geschluckten phänomenalen Mengen Bier sind zweifelsohne für die kollektive Trunkenheit verantwortlich, die sie bei Fußballspielen ihrer Mannschaft ergreift", meinte etwa die Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche".Ihr Schluß: "Es ist also in der Tat eine Frage der Kulturen."

Dabei wird Bier auch im klassischen Weinland Frankreich häufig und gern getrunken.Doch die meisten Franzosen lassen es mehr als eine Art Aperitif durch die Kehle rinnen - die Kombination "Ein Bier, ein Korn" ist eher unbekannt.Außerdem verteilt sich der Alkoholkonsum im französischen Alltag mit seinen ausgiebigen Mahlzeiten anders als in Deutschland oder England."Bierleichen" sind in Frankreichs Öffentlichkeit daher weitgehend unbekannt.

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