Zeitung Heute : NACH DER WM KOMMT DER GROSSE SCHNITT: Mindestens ein Trio nimmt Abschied

MONTPELLIER .Mit jeder WM-Partie steht die eigene Zukunft als Nationalspieler auf dem Spiel.Für viele deutsche Nationalspieler begann mit dem Achtelfinale gegen Mexiko nicht nur die entscheidende WM-Phase, sondern auch die K.o.-Runde gegen das Ende der eigenen Länderspiel-Laufbahn.Ob es allerdings zu einem ähnlich großen Umbruch kommen wird wie 1986, als nach der WM in Mexiko neun Profis von der Bühne Nationalmannschaft abtraten, ist ungewiß.Trotz ihres bedenklich hohen Durchschnittsalters von über 30 Jahren haben bisher lediglich Kapitän Jürgen Klinsmann (33), sein Stellvertreter Jürgen Kohler (32) und "Methusalem" Lothar Matthäus (37) die WM in Frankreich zu ihrer Abschiedstour erklärt.

Acht weitere WM-Fahrer gelten aus Altersgründen als potentielle Nationalmannschafts-Pensionäre, wenngleich sie sich allesamt (noch) dagegen sträuben.So wehrte selbst Torhüter Andreas Köpke (35) alle Fragen nach einem Rücktritt ab, ehe er sich zu Wochenbeginn zu der Klausel durchrang, "normalerweise höre ich auf".Der Schalker Libero Olaf Thon (32) hingegen erklärte, er wolle auf keinen Fall von sich aus die Segel streichen.

"Warum sollte ich von mir aus zurücktreten, wo ich gerade wieder zurückgekehrt bin", sagte Thon mit dem Hinweis auf seine dreieinhalb Jahre währende Länderspiel-Abstinenz.Defensivspieler Thomas Helmer (33) vom FC Bayern München wehrte sich vehement, als er vor WM-Beginn von Bundestrainer Berti Vogts als möglicher DFB-Pensionär genannt wurde."Ich weiß nicht, wie der Bundestrainer auf diesen Gedanken kommt.Ich habe nie gesagt, daß ich aufhören will."

Gleiches gilt für die Mittelfeldspieler Thomas Häßler (32) und Stefan Reuter (31), den Lauterer Torjäger Olaf Marschall (32) und seinen Sturmkollegen Ulf Kirsten (32), die ihre sportliche Zukunft alle erst nach der WM festlegen wollen.Obwohl erst 30 Jahre alt, gilt auch Andreas Möller als potentieller Aufhörer, zumindest in den Augen von Vogts: "Ich weiß nicht, was Andreas Möller plant." Daß nur wenige freiwillig ihre Nationalmannschafts-Kündigung einreichen, hat triftige Gründe: Mit der Abstufung vom aktuellen zum Ex- Nationalspieler ist auch der Verlust von Werbeeinnahmen und Prämien verbunden.

Möglicherweise gehören Helmer, Reuter, Kirsten oder Marschall zu jener Kategorie, deren internationale Laufbahn nicht durch Eigenantrieb, sondern auf Initiative des Bundestrainers beendet wird.Bereits in Frankreich kündigte Berti Vogts den Aufbau einer neuen Mannschaft nach der WM an."Ich plane den großen Schnitt, nach der WM kommt der Umbruch", sagte der 51jährige klar und deutlich.

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