Zeitung Heute : Nach zehn Monaten – Lokführer am Ziel

Gewerkschaft GDL bekommt Tarifvertrag mit der Bahn und insgesamt elf Prozent mehr Lohn

Berlin - Bahn und Lokführer haben sich auf Eckpunkte für einen gemeinsamen Tarifvertrag geeinigt. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat das Ergebnis am Sonntag als Durchbruch bezeichnet. „Ich bin hochzufrieden, dass wir die letzte Hürde in diesem Konflikt genommen haben“, sagte Tiefensee in Berlin. Er rechne damit, dass den Eckpunkten auch die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA zustimmen werden.

Tiefensee erklärte, dass er den Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, und Bahnchef Hartmut Mehdorn am Samstag in sein Ministerium geladen habe. Dort sei am Abend eine Einigung erzielt worden. „Samstagmittag standen die Zeichen noch auf Streik“, sagte Tiefensee. Der Bund habe als Eigentümer der Bahn nicht wie vermutet in die Verhandlungen eingegriffen.

Für den Zeitraum vom 1. Juli 2007 bis Ende Februar 2008 sollen die Lokführer eine Einmalzahlung von 800 Euro erhalten. Die Arbeitszeit wird von 41 auf 40 Wochenstunden herabgesetzt. Ab 1. März sollen die Gehälter um acht Prozent steigen, ab September kommen nach Auskunft der GDL weitere drei Prozent hinzu, die bis zum Ende des Tarifvertrags im Januar 2009 gelten. Insgesamt ergebe sich eine Lohnsteigerung um elf Prozent.

Entscheidender ist für viele Mitglieder der Lokführergewerkschaft aber der eigenständige Tarifvertrag. Damit hat die GDL ihre Hauptforderung durchsetzen können. Die Einzelheiten des Tarifvertrages sollen bis zum 31. Januar ausgehandelt werden. Zu möglichen Details wollte sich Tiefensee am Sonntag nicht äußern. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale sagte, dass die Grenze des „wirtschaftlich Vertretbaren“ überschritten worden sei. Sie sei aber erleichtert, dass weitere Streiks abgewendet worden sind.

Die Bahngewerkschaft Transnet berät nun, ob die Einigung mit der GDL Einfluss auf ihren eigenen Tarifvertrag haben wird. Am 22. Januar tagt dazu die Transnet-Tarifkommission. In ihrem Abkommen mit der Bahn 2007 hatte sich Transnet vorbehalten, selber neu zu verhandeln, sollte es zu einem eigenen Tarifabschluss zwischen Bahn und der Konkurrenzgewerkschaft GDL kommen.

Von den 20 000 Lokführern sind nach eigenen Angaben knapp 15 000 bei der GDL organisiert. Die Verhandlungen zwischen Lokführern und Bahn dauerten zehn Monate und waren mehrmals von Streiks unterbrochen worden.

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