Zeitung Heute : NACHGEFRAGT

BARBARA HELD

Für Experimentelles gibt es keine KäuferVON BARBARA HELD TAGESSPIEGEL: Der Ravensburger Verlag hat auf der Frankfurter Buchmesse angekündigt, er wolle künftig verstärker Software für Erwachsene anbieten.Was steckt dahinter? HÜNTELMANN: Wir gehen in den Erwachsenen- und Jugendlichen-Software-Bereich, weil der Markt für Kinder-Software nicht wie erwartet wächst, und wir uns mit dem erweiterten Angebot gute Chancen versprechen.Bei den Kinderprogrammen müssen wir langen Atem zeigen.Hier geben wir uns drei bis vier Jahre, um den Markt so zu entwickeln, daß wir auch schwarze Zahlen schreiben. TAGESSPIEGEL: Was bieten die Ravensburger denn dem neuen "erwachsenen" Kundenkreis? HÜNTELMANN: Zum Beispiel ein "Moving Puzzle" auf CD-ROM.Hier handelt es sich um in Quadrate zerlegte Videoclips, die man auf dem Bildschirm immer wieder neu zusammensortieren muß.Dann haben wir ein unterhaltsames Kultur-Adventure ("Das Grab des Pharao"), das in die Welt des alten Ägypten einführt.Mit der Reihe "Think" wenden wir uns an Menschen, die ihr Hirn trainieren wollen, wie andere Leute ihren Körper trainieren.Hier erscheint unter anderem "Mind Gym", ein spielerisches Mentaltraining, das aussieht, als sei es von Monty Python.Total abgedreht, sehr englisch.Außerdem werden wir eine CD-ROM-Version unseres beliebten Brettspiels "Scotland Yard" herausbringen. TAGESSPIEGEL: Wie muß denn heute ein "Familien-PC" für die aktuelle Software ausgestattet sein? HÜNTELMANN: In jeden Fall mit einem Pentium-Prozessor, mit 133 oder 166 Megahertz, 16 oder besser 32 Megabyte Arbeitsspeicher, und einem achtfachen CD-ROM-Laufwerk.Nicht sparen sollte man bei Monitor und der Grafikkarte. TAGESSPIEGEL: Am Tag vier der Frankfurter Buchmesse 97 - wie laufen die Geschäfte? HÜNTELMANN: Wir sind recht zufrieden - mit dem Interesse hier.Sie können ja nicht erwarten, daß in der Elektronik-Halle jede Menge Buchhändler versammelt sind, die alle sofort einen Abschluß machen.Man schaut sich das Angebot an und entscheidet zuhause.Hier werden nicht viele Verträge gemacht.Außerdem sind offensichtlich viele Verlage mit ihrem CD-ROM-Angebot dieses Jahr zu ihren Mutterhäusern in die traditionellen Buchhallen gezogen - angeblich zählt die Elektronik-Halle rund zehn Prozent weniger Aussteller und diese konzentrieren sich auf Technik und nicht auf Inhalte.Der Trend wird sich fortsetzen.Leider fehlt in Deutschland noch eine spezielle Messe für verlegerische Angebote im elektronischen Bereich. TAGESSPIEGEL: Ein Blick in die Zukunft? HÜNTELMANN: Die Zeit der ehrgeizigen Phantasien und des spielerischen Ausprobierens ist vorbei.Für Experimentelles gibt es auf absehbare Zeit keine Käufer.Heute stehen Produkte im Vordergrund, aus denen der Kunde einen Nutzen ziehen kann.Der Trend geht wohl auch dahin, daß die CD-ROMs noch einen ganzen Tick billiger werden. Das Interview führte Barbara Held.

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