Zeitung Heute : "Nachhaltige Mobilität": Grüne Autos allein sind keine Lösung

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Es sah so aus, wie eine der vielen Erfindungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts, mit der Gottlieb Daimler und Carl Benz 1886 die Welt überraschten. Ein Motor in der Kutsche statt eines Pferdes davor - so präsentierte sich auf vier und drei Rädern gleich doppelt erfunden das erste Automobil. Eine im Prinzip recht einfache Erfindung. Doch sie sollte die Welt verändern wie kaum eine Erfindung zuvor, eröffnete sie doch bis dahin unbekannte Formen der individuellen Mobilität.

Anfangs noch teures Spielzeug für Technikbegeisterte und Luxus für Wohlhabende, wurde das Auto beginnend in den USA und sich dann über alle Industrieländer ausbreitend zum jedermann verfügbaren Massenprodukt. Knapp 550 Millionen Personenwagen und knapp 200 Millionen Nutzfahrzeuge rollen derzeit auf den Straßen der Welt - Straßen, die mit ihren offenen Strecken sowie mit Brücken, Viadukten, Tunnels, Parkplätzen und Parkhäusern das Bild unserer Städte und Landschaften im letzten Jahrhundert völlig verändert haben.

Das Auto ist allgegenwärtig, längst integraler Teil unseres Alltags im privaten Bereich wie in der Wirtschaft, die ohne es nicht so funktionieren würden, wie sie es heute tun. Doch mit seinem massenhaften Auftreten massierten sich auch die mit dem Auto verbundenen Probleme und Belastungen für Mensch und Umwelt: Lärm, Luftverschmutzung, Landschaftsveränderung, Energie- und Ressourcenverbrauch und Unfälle, um nur einige Hauptpunkte zu nennen.

Längst hat man erkannt, dass es so nicht weiter gehen kann. Und so haben sich die Prioritäten für die Entwickler neuer Autos in den letzten Jahren völlig verändert. Vorrang haben geringer Verbrauch, niedrige Schadstoff- und Lärmemissionen, wenig Verbrauch an Verkehrsfläche, hohe Recyclingfähigkeit und vor allem auch hohe Sicherheit. Und einer der Schwerpunkte bei der künftigen Entwicklung unserer Autos sind auch neue Antriebskonzepte als Alternative zum Verbrennungsmotor. Ansätze dazu zeigt die soeben in Berlin gezeigte "grüne" Flotte von Ford - jenem Unternehmen, das entscheidend dazu beigetragen hat, Mobilität im 20. Jahrhundert bezahlbar zu machen.

Diese Mobilität nachhaltig zu machen, ist die Herausforderung des soeben begonnenen 21. Jahrhunderts. Dabei sind die neuen Fahrzeuge allerdings nur ein Baustein unter den vielen Elementen. die "Nachhaltige Mobilität" möglich machen sollen. Ein weiterer Baustein sind alternative Kraftstoffe - Kraftstoffe, die sich aus erneuerbaren Energien gewinnen lassen. Methanol zum Beispiel aus Biomasse, Ethanol aus Pflanzen, Wasserstoff aus Wind- und Sonnenenergie. Und auf dem Weg zu einer künftigen Wasserstoffwirtschaft kann als Zwischenetappe auch Erdgas eine wichtige Rolle spielen.

Doch damit nicht genug. Denn künftige Mobilität wird sich, um nachhaltig zu sein, nicht nur auf "grüne" Autos und "grüne" Energien beschränken können. Mindestens so wichtig sind ganz neue Mobilitätskonzepte. Das betrifft zum einen die sinnvolle Vernetzung aller Mobilitätssysteme auf Straße, Schiene, im Wasser und in der Luft und verlangt zugleich nach völlig neuen Nutzungsformen der verschiedenen Systeme. Zu diesen gehören zum Beispiel das Car-Sharing für das Auto oder neue Leasing-Konzepte, bei denen man den Fahrzeugtyp je nach Bedarf wechseln kann. Um die hierfür nötige Infrastruktur aufzubauen und alle Verkehrsysteme optimal zu nutzen, werden Internet und Telematik eine zusehends wichtigere Rolle spielen. Und statt sich auf den Bau der Autos zu beschränken, dürften sich die Autobauer schon bald zu umfassenden Mobilitäts-Dienstleistern entwickeln - eine gewaltige Herausforderung, in der allerdings auch große Chancen liegen.

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