Zeitung Heute : Nachher meckern meist sinnlos.

GERD W.SEIDEMANN

Beschwerden muessen bereits amUrlaubsort vorgebracht werden/Mehrere Urteile. VON GERD W.SEIDEMANN"...haben Sie auf Haie in dieser Gegend hingewiesen, weshalb ichhinfuhr, aber in 14 Tagen nicht einen einzigen vor die Kamera bekam.Damit haben Sie falsche Tatsachen behauptet, die mich berechtigen..."Richtig beschweren will gelernt sein.Die Reiseveranstalter sehen sichalljaehrlich Tausenden von solchen und ernster zu nehmendenBeschwerden gegenueber.Doch wer sich erst nach der Rueckkehr aus dem Urlaub beschwert, gehtmeist leer aus.Schon vor Ort muessen sich die Urlauber beimReiseleiter oder dem Vertragspartner des Veranstalters beklagen undauf Abhilfe dringen.Erst wenn sich der Veranstalter nicht in der Lagesieht, ein anderes Zimmer zuzuweisen oder Maengel bei Ausstattung oder Sauberkeit zu beheben, besteht ueberhaupt eine Chance auf eineteilweise Rueckerstattung der Reisekosten."Der Reisende muss dem Veranstalter die Moeglichkeit geben, Maengel zubeseitigen", sagt die Reisefachfrau bei der Bonner Arbeitsgemeinschaftder Verbraucherverbaende, Gabriele Erkelenz.Dies sei dieGrundvoraussetzung, ohne die es keine Basis fuer spaetere gerichtlicheSchritte gebe, betont auch Gerd Hesselmann, Praesident des DeutschenReisebuero-Verbandes (DRV): "Wenn man von vor Ort nichts mitbringt,macht eine Beschwerde keinen Sinn." Hesselmann sieht darin nicht nureine formale juristische Voraussetzung.Auch die Veranstalter haettenein Interesse daran, die Maengel abzustellen, "schliesslich wollensie, dass der Kunde wiederkommt." Erkelenz und Hesselmann empfehlen,sich vom Hotel oder Reiseleiter eine Bescheinigung oder ein Protokollueber die Beschwerde ausstellen zu lassen oder zumindest einen Zeugenfuer die Beschwerde zu haben.Auch nach der Rueckkehr aus dem Urlaub sind formale Gesichtspunkte zubeachten.Binnen eines Monats nach der Heimreise muss eine Beschwerdebeim Veranstalter eingereicht werden.Das Reisebuero ist nurVermittler und waere somit der falsche Ansprechpartner.Falls derVeranstalter die Beschwerde ablehnt, muss binnen sechs Monaten nachAblehnung Klage erhoben werden.Aussichten auf einen Erfolg vor Gericht bewerten Verbraucherschuetzerwie Verbandsvertreter "mehr als schlecht".Bei einem klaren Verstossgegen die Vertragsvereinbarungen - wie Fluglaerm statt der im Kataloggepriesenen "ruhigen Lage" - ist der Anspruch auf Ersatz klar und wirdmeist vom Veranstalter direkt geregelt.Bei Fragen, die denpersoenlichen Ermessensspielraum betreffen wie Laerm und Sauberkeitseien die Erfolgsaussichten dagegen "schwieriger", raeumt Erkelenzein.Nach Angaben des DRV werden 80 bis 85 Prozent aller Klagen gegenReiseveranstalter vor deutschen Gerichten abgewiesen.Insgesamt bewege sich die Zahl der Klagen gemessen an der Zahl der Reisenden "imPromillebereich", so DRV-Justitiar Peter Hamburger.Die Reiseveranstalter bemuehen sich, Maengel ohne Gericht oder Anwaltzu klaeren.Von den ein bis zwei Prozent Beschwerden, die etwa derReiseriese TUI mit seinen jaehrlich vier Millionen Gaesten erhaelt,werden laut TUI-Sprecher Michael Friedrichs nur etwa ein Viertel vorGericht oder per Anwalt geklaert.Die grosse Masse fuehre zuKulanzvereinbarungen oder sei unberechtigt.Bei denaussergerichtlichen Einigungen erhalten die Kunden bei berechtigtenForderungen meist einen Teil der Reisekosten zurueck.Die Summenbewegen sich dabei meist in der Groessenordnung von wenigen hundertMark.Wer bei einer Pauschalreise zwei Doppelzimmer bucht, muss sich amUrlaubsort nicht mit einer Hotelsuite zufriedengeben.Dies hat eineZivilkammer des Landgerichts Koeln in einem jetzt veroeffentlichtenUrteil entschieden (Az: 3O74/96).Die Richter billigten einer Familieaus Berlin eine Minderung des Reisepreises um 20 Prozent zu.DasEhepaar, ein 26jaehriger Sohn und eine minderjaehrige Tochter hattenin einem Hotel auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira zweiDoppelzimmer gebucht.Ein Zimmer sollte bei der zweiwoechigen Pauschalreise der Sohnbeziehen, das andere die restlichen Familienmitglieder.Am Urlaubsorterhielt die Familie aber eine Suite - bestehend aus einem Bad, einemDoppelzimmer und einem Schlafraum.Dies stellt nach Ansicht derRichter einen deutlichen "Reisemangel" dar.So haetten dieFamilienmitglieder in der Suite mehr Ruecksicht aufeinander nehmenmuessen als in den Doppelzimmern.Wer ein gebuchtes Hotelzimmer storniert, kann vom Hotelier zur Kassegebeten werden.Auch bei muendlicher Bestellung wurde einBeherbergungsvertrag abgeschlossen, teilte der Deutsche Hotel- undGaststaettenverband (Dehoga) mit.Der Vertrag kann nur geloest werden,wenn beide Seiten zustimmen, was allerdings nicht selten der Fall ist.Die Kosten fuer Zimmerreinigung, Strom, Wasser und Heizung muessenaber nicht beglichen werden.Die Erfahrungswerte liegen bei 20 Prozent(UEbernachtung mit Fruehstueck), 30 Prozent (UEbernachtung mitHalbpension) und 40 Prozent (UEbernachtung mit Vollpension), die vonder vollen Rechnung abgezogen werden.Allerdings ist der Hotelier auch verpflichtet, stornierte Zimmer nachMoeglichkeit weiterzuvermieten.Ist das Zimmer neu vermietet, erlischtder Anspruch an den Gast, der es urspruenglich gebucht hatte.ImGegenzug hat der Gast auf das bestellte Zimmer einen Mietanspruch.Steht es zur vereinbarten Zeit nicht zur Verfuegung, muss der Hoteliereine adaequate Loesung finden oder Schadenersatzansprueche des Gastes begleichen.

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