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Der Osterhase hat’s gut: Während die Menschen beim Anblick der ersten Schokoladen-Weihnachtsmänner im Hochsommer verzweifelt den Kopf schütteln, erweckt so ein kleiner Hase, vielleicht mit güldenem Staniolmantel, stets unser Wohlwollen, denn: Ostern bringt den Frühling!

Vielleicht ist es auch einfach seine Bescheidenheit, die uns rührt. Im richtigen Leben, auf freiem Felde nämlich, macht der Hase sich rar. Zuweilen lässt er uns beim Spaziergang seine Ohren sehen, aber kommen wir verzückt näher, weil wir auch einmal einen richtigen, wilden Hasen sehen möchten: Schwupps, schon hat er die Flucht ergriffen, Haken schlagend, als wollte er uns eine lange Nase drehen. Osterhasen machen froh. Wirklich. Schon ihr Anblick entzückt uns.

Der Mondkalender bestimmt das Festdatum, der Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang ruft die Hasen auf den Plan. Vielleicht hat der Umstand, dass die Hasen so gern Reißaus vor uns Menschen nehmen, Konditoren und Bäcker inspiriert. Was wir nicht haben können, backen wir uns eben. Und essen es zur Sicherheit auch gleich auf. Wie es zum Beispiel seit Jahrzehnten beim Berliner Traditionsunternehmen Erich Hamann (gegründet 1912) Brauch ist. Dort finden Formen für die Herstellung von Hohlkörperhasen aus den 20er-Jahren Verwendung. Die handgefertigten Hasen kommen gleichermaßen unbekleidet, ohne Staniolhülle, ins Haus, ihr Preis wird pro Gramm errechnet: Ein Pfund kostet

30 Euro. Nichts für Alleinkämpfer, aber ideal für Familienfeste.

Ebenfalls ein Klassiker bei Hamann sind die so genannten „Dürerhasen“, Häschen aus Marzipan, dem weltberühmten Dürer-Aquarell aus dem Jahr 1502 nachempfunden. Da hat man zum schlechten Gewissen wegen der Kalorien gleich den beruhigenden intellektuellen Hintergrund. Hübsche Häschen gibt es derzeit auch bei „Das süße Leben“ in Schöneberg. In dieser Saison gibt zum Beispiel Krokanteier aus dem Schwabenland (sie kosten je nach Größe zwischen 2,95 und 8,95 Euro). Karin Krömer-Rüde von „Das süße Leben“ sagt: „Wir haben in diesem Jahr auch wunderbare, handgefertigte Pralineneier aus Österreich, die sind traumhaft schön.“ Außerdem empfiehlt die Expertin knallrote Zuckerhasen von Minigröße bis zu 40 Zentimetern Höhe. Das ist doch mal was ganz anderes als ein Schokohase!

Bei Rausch am Gendarmenmarkt steht ein 3,19 Meter hoher Hase, der aus 11.320 kleinen Schokohasen besteht. Und nur ein paar Schritte davon entfernt lauern Verlockungen, in keinem Osternest fehlen dürfen: Bei Ladurée in den Galeries Lafayette gibt es runde – fast eiförmige! – Macarons (kleine Makronen, gefüllt mit verschiedenen Cremes). Und - bitte nicht erschrecken: Bei den Franzosen bekommt der schokoladige Osterhase traditionell Konkurrenz vom Schoko-Fisch als christliches Symbol. „Leysieffer“ lockt alle Jahre wieder mit hübschen kleinen Ostergaben, allerliebst sind zum Beispiel die Eierdosen zum Aufhängen oder die Eierwärmer mit Filzhasen.

Es soll ja Menschen geben, die Schokolade mögen, aber nicht in Hasenform. Die kochen dann einfach das Rezept von Sternekoch Thomas Kellermann, Küchenchef im „Vitrum“, Hotel The Ritz Carlton Berlin, nach. Garantiert hasenfrei. Silvia Meixner

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