Zeitung Heute : Nachrichten

Ein bisschen Vogelmiere, etwas Bärenklau, vom Barbarakraut ganz wenig nur, dafür umso mehr Giersch und Süßdolde. Oder kurz: Ein Kilo Kräuter bitte. Hängt es doch von Mutter Natur und von den Augen der Frau ab, die Wertvolles erkennt, wo manch ein Stadtmensch achtlos drüberlatscht oder solches pauschal als Unkraut spezifiziert. Hilde Danners Augen sind einer Katze gleich: Nachts sieht sie besonders gut. Augen wie Nachtsichtgeräte sind ihr Kapital - neben den göttlichen Händen und dem alten Wissen, einer Hildegard von Bingen ähnlich. Hilde ist Kräuterhexe. So bezeichnet sie sich selber, der Begriff Kräuterfee käme ihr nie über ihre Lippen. So ein Blödsinn, würde sie sagen, dafür bin ich viel zu robust. Äußerlich. Doch unter der harten Schale gedeiht ein zarter Kern. Die Kräuterhexe beschafft Wildkräuter für die Edelküchen dieser Stadt: das Engelbecken, den Biberbau, das Imperial, das Ende September in der Grunewaldstraße 3 in Steglitz eröffnet hat und mit seinem Fine Dining und seiner Molekularküche verwöhnte Hauptstadt-Gaumen frohlocken lässt.

Kräuter-Hilde ist gern gesehen bei anspruchsvollen Gastronomen. „Meine Kunden vertrauen mir.“ Die Kräuterhexe weiß ob des guten Geschmackes ihrer Schützlinge: „Die Vogelmiere schmeckt nach Mais und jungen Erbsen. Die eignet sich gut für Pesto, dazu etwas Knoblauch. Oder Giersch: wie Sellerie und Petersilie, auch gut für ein Pesto.“ In der Hochzeit Frühling hat die Natur und damit die Kräuterhexe 25 verschiedene Wildkräuter zu bieten, zur kalten Jahreszeit sind es etwa sechs. In das Kräuterstudium einsteigen musste sie nicht. „Ich kannte als Kind schon die Namen aller Kräuter. Ich bin mit diesem Wissen auf die Welt gekommen“, schmunzelt sie weise. Ihr Kräuterweg hat sich wie ein Zufall ergeben. „Ich bin durch die Botanik gelaufen und habe Grünschnitt für gehobene Blumenläden besorgt“, sagt sie. Dann habe sie ein Bekannter von Sarah Wiener gefragt, ob sie nicht Dekos für Events kreieren wolle. Wollte sie. Und dann kam TV-Koch Ralf Zacherl und bat um Kräuter. Gebeten, gebracht. Kräuter-Hilde ward geboren. Wie von Zauberhand. So richtig gut geht es ihr nur, wenn sie Gras unter den Sohlen spürt. „Wer mit der Natur arbeiten darf, ist voller Dankbarkeit. Ich bin mir dieses Geschenks bewusst.“ Und ihre Kunden auch: Die Kräuter von Hilde halten sich nämlich besonders lange. „Weil ich gute Hände habe.“ Und weil sie sich freut, einen Kunden zu beliefern. „Ich muss in gutem Konsens mit dem Kunden sein. Ich muss mit Liebe arbeiten können.“ Nächsten Frühling startet die Kräuter-Hilde so richtig durch. In Ludwigsfelde hat sie ein Grundstück erstanden, auf dem sie ihre eigenen Kräuter und seltene Gemüse anbauen wird. „Jetzt ist meine Zeit gekommen“, sagt sie und ihre Katzenaugen funkeln. Heidi H. Müller

IMPERIAL.ALTEATRO.DE

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben