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Geplant

Berlins erstes Hochhaus

Gebaut

Der Tränenpalast

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Der erste Berliner Wolkenkratzer nach amerikanischem Vorbild sollte am Bahnhof Friedrichstraße stehen. Dazu wurde im Winter 1921/22 ein Wettbewerb durchgeführt, an dem sich viele namhafte Architekten beteiligten, unter ihnen Hans Scharoun, Hans Poelzig und die Brüder Luckhardt. Mies van der Rohes Entwurf für ein gläsernes Hochhaus ging in die Architekturgeschichte ein, fand aber keine Gnade vor den Augen der Preisrichter. Den 1. Preis bekamen die Architekten Alfons Baecker, Julius Brahms und Rudolf Kasteleiner für einen wuchtigen, aber nicht besonders aufregenden Backsteinturm.

Wegen endloser Streitigkeiten zwischen Baubehörde und Bauherrn blieb das Gelände eine Brache. 1929 ging das Grundstück in den Besitz der städtischen Verkehrsbetriebe über. Die BVG führte einen weiteren Wettbewerb durch, doch wegen der Weltwirtschaftskrise war kein Geld für ein so großes Bauvorhaben da. Gegenwärtig steht auf dem exponierten Grundstück zwischen Bahnhof Friedrichstraße und Spree immer noch der Tränenpalast, die 1962 von der DDR für die Grenzkontrollen errichtete Abfertigungshalle. Geplant ist wieder einmal ein Hochhaus, allerdings nur zehn Stockwerke hoch.

Das spektakulärste Hochhaus der Nachwendezeit dachte sich der amerikanische Architekt Peter Eisenman aus, nur einen Steinwurf entfernt auf der anderen Spreeseite, neben dem Berliner Ensemble am Bertolt-Brecht-Platz. Dort hatte das Große Schauspielhaus des Theatermannes Max Reinhardt gestanden. Dessen Erben hofften, dort ein großes Gebäude mit dem Namen Max-Reinhardt-Haus errichten zu können. Im Dezember 1992 präsentierte Eisenman sein Modell einer 128 Meter hohen Gebäudeskulptur in Gestalt eines in sich verdrehten Rings oder, mathematisch formuliert, eines „Möbius’schen Bandes“. Wegen statischer und finanzieller Probleme blieb das Projekt in der Schublade. Inzwischen hat ein Projektentwickler das Gelände gekauft und will dort zwei niedrigere Bürohäuser und ein Hotel bauen.

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