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„Die Friedrichstraße soll die attraktivste Geschäftsstraße der Hauptstadt werden, und es wird eine Freude, auf ihr zu bummeln“, kündigte Erich Honecker im Februar 1984 an. Hinter dem Gendarmenmarkt wurde drei Jahre später eine 274 Meter lange Baugrube für ein Einkaufszentrum ausgehoben, die Friedrichstadtpassagen. Wie die heutige Passage dieses Namens hätte sich der DDRBau über drei Baublöcke zwischen Französischer und Mohrenstraße erstreckt.

Als die Mauer fiel, verwandelte sich die vereinigte Friedrichstraße in ein Spielfeld von Bauspekulanten aus aller Welt. Denen waren die buntzackigen Fliesenmuster an der Fassade nicht schick genug, es fehlten Tiefgaragenplätze, und die ganze Raumaufteilung entsprach nicht den Verwertungsinteressen der Immobilienbranche. Also wurde der fast fertig gestellte DDR-Komplex (Foto oben) Anfang 1993 abgerissen, das Gelände neu bebaut.

An der Ecke Französische Straße plante der französische Architekt Jean Nouvel ein Warenhaus für die Galeries Lafayette mit voll verglaster Fassade (Foto unten). Auch dieses Projekt wäre beinahe gescheitert, da der Baulöwe Roland Ernst das Erbbaurecht an einem Teil des Grundstücks aufgekauft hatte und drohte, das ganze Projekt zu blockieren, wenn er nicht als Bauträger aktiv werden dürfe. Schließlich einigte man sich, Ernst baute und die Galeries Lafayette zogen 1996 als Hauptmieter ein.

Nebenan entstanden das Quartier 206 mit expressionistischen Lichtbändern von Henry Cobb und das Quartier 205 im Quadratstil von Oswald Mathias Ungers. Alle drei Blocks verbindet eine unterirdische Passage. Und Honecker behielt Recht: Unter den Geschäftsmeilen im Osten Berlins ist die Friedrichstraße die schickste geworden.

Geplant

Das Kaufhaus des Ostens

Gebaut

Galeries Lafayette

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