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Die Kuppel des Reichstagsgebäudes wiederaufzubauen, um dort nach der Wiedervereinigung den gesamtdeutschen Bundestag unterzubringen, hielt der britische Architekt Sir Norman Foster für ein falsches Signal. „Es herrscht ein Bedürfnis nach einem starken neuen Symbol, einem Symbol, das unserer Zeit entspricht, einem neuen Bild einer offenen Zukunft“, schrieb er zu seinem Entwurf, der 1993 einen der ersten Preise beim Wettbewerb für den Reichstagsumbau bekam.

Ein riesiges transparentes Flachdach wollte der Architekt über dem Haus ausspannen: „Es fußt konzeptionell in einem demokratischen Ideal. Im Unterschied zur alten Kuppel ist es keine statische und verschlossen wirkende Gestalt. Unser neues Dach erinnert nicht an eine Epoche der Vergangenheit.“

Die Grenze zwischen Innen und Außen wollte Foster aufheben, um das Gebäude herum einen regengeschützten Ort für Volksversammlungen schaffen. Ein Podium vor dem Haupteingang sollte die „ängstigende Wirkung monumentaler Stufen“ abbauen und über „ein demokratisches Niveau für jedermann“ den Zugang zum Altbau ermöglichen.

Fosters Büro erhielt den Großauftrag für den Umbau des Hauses, doch wünschten die Parlamentarier so dringlich eine Kuppel über ihrem Plenarssal, dass der Architekt schließlich nachgab – sehr zum Ärger seines Konkurrenten Santiago Calatrava, der ebenfalls einen 1. Preis für einen modernen Kuppelentwurf gewonnen hatte. So bekam der Reichstag von Foster seine neue High-Tech-Kuppel aus Glas, auf der das Volk bei freiem Eintritt spazieren gehen kann. Und die Berliner Republik erhielt ein populäres Symbol für Volksnähe und Transparenz.

Geplant

Reichstag unterm Dach

Gebaut

Reichstag mit Kuppel

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