Zeitung Heute : Nachrichten

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Ich habe kleine Kinder, die häufiger krank sind. Kann mir gekündigt werden, wenn ich deswegen öfter nicht zur Arbeit kommen kann?

Möglicherweise ja. Denn grundsätzlich muss der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung ordnungsgemäß anbieten. Gelingt ihm das nicht, muss er im Gegenzug zunächst auf die Vergütung verzichten. In wiederholten Fällen muss er auch mit einer Kündigung rechnen. Von diesem Grundsatz gibt es Ausnahmen. Die bekannteste Regelung ist das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) im Krankheitsfall. Das EFZG regelt jedoch nur die Fälle, in denen der Arbeitnehmer selbst arbeitsunfähig ist. Kann der Arbeitnehmer nicht arbeiten, weil er Angehörige betreuen muss, ist der Arbeitgeber nach BGB ebenfalls in Ausnahmefällen zur Fortzahlung der Vergütung verpflichtet. Dies kann etwa der Fall sein, wenn ein Arbeitnehmer durch die Betreuung eines kranken Kindes unverschuldet an der Arbeit gehindert ist. Regelmäßig soll dies aber nur für Kinder bis zum Alter von zwölf gelten. Die Verhinderung ist nur dann nicht erheblich, wenn sie höchstens einige Tage dauert. Viele Tarifverträge oder auch Betriebsvereinbarungen sehen maximal drei Tage vor. Bei länger dauernder Krankheit eines Kindes im Alter bis zu 12 Jahren gibt es einen Anspruch auf Krankengeld gegen die Krankenkasse, aber höchstens für zehn Arbeitstage (20 Tage bei Alleinerziehenden) pro Kind und insgesamt maximal 25 (50) Arbeitstage pro Arbeitnehmer und Kalenderjahr. Die kurzzeitige Vergütungsfortzahlung kann der Arbeitnehmer zwar grundsätzlich bei jeder neuen Erkrankung des Kindes beanspruchen. Allerdings gibt es wohl auch hier Grenzen. Denn sogar bei einer Erkrankung des Arbeitnehmers selbst ist eine Kündigung wegen zu häufiger Kurzerkrankungen zulässig. Daher sollten berufstätige Eltern mit krankheitsanfälligen Kindern über eine Betreuung durch Dritte nachdenken. Und natürlich dürfen auch Arbeitgeber dieses Thema bei auffällig vielen „Krankmeldungen" der Eltern ansprechen.Foto: Niels Leiser

Dr. Anja Mengel ist Fachanwältin für Arbeitsrecht bei Wilmer Cutler Pickering Hale and Dorr LLLP, Berlin

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