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Tilmann Warnecke

Arbeitsplätze fehlen, Studienplätze auch. Was lohnt sich noch zu lernen?

Ob Alt-Germanistik oder BWL: Prinzipiell lohnt sich jedes Studienfach – solange man zu Ende studiert. Denn ein Hochschulabschluss ist am ehesten eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, und zwar unabhängig vom gewählten Fach.

Das sind jedenfalls die Ergebnisse von Experten wie Franziska Schreyer vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. „Die Akademiker stehen auf dem Arbeitsmarkt am besten da“, sagt Schreyer. So ist die Arbeitslosenquote unter Akademikern in Deutschland seit 30 Jahren konstant niedrig. Bei 4,0 Prozent lag sie 2004 und war gegenüber 2003 sogar um 0,1 Punkte gefallen. Zum Vergleich: Der Bundesschnitt stieg im gleichen Zeitraum um 0,3 Prozent auf 11,2 Prozent. Bis 2015 könnte Deutschland sogar ein Akademikermangel drohen, sagt Schreyer. Das liegt an drei Langzeittrends: Aufgrund der demografischen Entwicklung gehen immer mehr Arbeitnehmer in Rente. Da in den 90er Jahren die Zahl der Studienanfänger stagnierte, gibt es derzeit wenig akademischen Nachwuchs. Entgegengesetzt entwickelt sich der Bedarf an hochqualifizierten Erwerbstätigen: Er steigt bis 2010 um ein Viertel.

Experten unterscheiden allerdings zwischen langfristigen Aussichten wie denen von Schreyer, die sich auf ein ganzes Berufsleben beziehen – und kurzfristigen, die die Chancen für den Berufseinstieg beziffern. Wenn die heutigen Zwölftklässler in sechs Jahren ihr Examen in der Tasche haben, werden sie je nach Fach ganz unterschiedliche Startvoraussetzungen haben, sagt Michael Weegen vom Informationssystem Studienwahl und Arbeitsmarkt der Universität Essen.

Weegen untersucht seit Jahren, wie sich die Zukunftsaussichten für Absolventen bestimmter Fachbereiche ändern. In sechs Jahren könnten nach seinen Untersuchungen Humanmediziner die gefragtesten Absolventen auf dem Arbeitsmarkt sein. Elektrotechnik, Maschinenbau, Mathematik und Physik sowie Psychologie nennt Weegen ebenfalls. Angehenden Betriebswirten dagegen könnte der Start in die Jobkarriere künftig schwerer fallen – es gibt einfach zu viele. Und noch dazu fangen zu viele ein solches Studium an.

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