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Der Markt für Derivate boomt. Diese künstlichen Instrumente wie Optionen, Futures oder Zertifikate werden von immer mehr Unternehmen der Wirtschaft zur Feinsteuerung ihrer Risiken eingesetzt. Darüber hinaus nutzen immer mehr Anleger das derivative Instrumentarium für die Optimierung ihrer Anlagepolitik. Dieses Glossar soll privaten Investoren einen kleinen Leitfaden durch den Dschungel von Fachbegriffen geben.

Aktienanleihen

Die Aktienanleihe – in der Fachsprache der Märkte oftmals auch als „Equity Linked Bond“ bezeichnet – ist eine spezielle Anleihenart, die mit einem hohen Coupon ausgestattet ist und deren Preisentwicklung an die Kursentwicklung eines der Anleihe zu Grunde liegenden Basiswertes gebunden ist. Die bei Emission einer Aktienanleihe fixierten Rahmenbedingungen enthalten unter anderem den Basiswert, den zugehörigen Basispreis, die Laufzeit, die Höhe des Zinscoupons und den Nennwert. Liegt der Kurs des Basiswertes am Stichtag unter dem festgelegten Basispreis, erfolgt die Rückzahlung durch eine bestimmte Anzahl von Aktien. Die Tilgung von Indexanleihen erfolgt durch Indexzertifikate, Fondsanteile oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstandes in Geld.

Anlagezertifikate

Unter einem Anlagezertifikat wird ein Wertpapier verstanden, das die wertmäßige Partizipation an der Kursentwicklung der entsprechenden Basiswerte (wie zum Beispiel einer Aktie, eines Aktienindex, einer Anleihe, einer Währung oder eines Rohstoffs) verbrieft. Die Produkte sind in der Regel nicht risikoreicher als ein Direktinvestment in den jeweiligen Basiswert und bedienen durch ihre vielfältigen Ausgestaltungen die Bedürfnisse aller Anlegertypen. Anlagezertifikate sind in ihrer Laufzeit begrenzte oder unbegrenzte Schuldverschreibungen, die von Banken vergeben werden und keine laufenden Erträge aufweisen. Sie weisen einen zuvor definierten Rückzahlungsbetrag auf, der an den Kurs von einem oder mehreren Basiswerten gekoppelt ist.

Bonus-Zertifikate

Die bei den Anlegern sehr beliebten Bonus-Zertifikate bestehen in der Regel aus drei Komponenten: Erstens bieten sie die Chance, an der positiven Performance eines Basiswertes – etwa einem Index oder einer Aktie – zu verdienen. Zweitens gibt es am Ende der Laufzeit für den Anleger eine Bonuszahlung in Form einer Art Garantieverzinsung. Diese wird aber nur dann gezahlt, wenn drittens eine deutlich unter dem Startwert des jeweiligen Basiswertes liegende Kursbarriere (Sicherheitslevel) während der gesamten Laufzeit nie berührt oder unterschritten wird. Bis zum Sicherheitslevel hat der Anleger somit einen Risikopuffer. Wird dieses Sicherheitslevel während der Laufzeit des Zertifikats indes berührt oder unterschritten, wandelt sich das Produkt augenblicklich in ein klassisches Index- oder Partizipations-Zertifikat. Die ursprüngliche Garantieverzinsung – also der so genannte Bonusbetrag – geht in diesem Fall verloren. Der Anleger hat aber immer noch die Chance, an einer neuerlichen Erholung des Basiswertes zu verdienen.

Derivate

Derivate bedeutet so viel wie „ableiten“ oder „Abkömmling“. Aus Sicht der Finanzmärkte umfasst die Definition dieses Begriffs zahlreiche Varianten und Formen synthetischer Finanzinstrumente. All diese Vehikel wie Optionen, Zertifikate etc. haben eines gemeinsam: Sie sind von etwas abgeleitet. Ein Derivat kann daher für sich allein genommen nicht existieren. Es muss sich immer auf ein handelbares Basisinstrument, beispielsweise Aktien, Anleihen, Devisen, Immobilien oder auch Rohstoffe beziehen. Voraussetzung für den Handel eines Derivats ist stets ein existierender und funktionierender – vorzugsweise ein liquider – Markt für Basisinstrumente. Der Basiswert hat also immer Vorrang vor seinem abstrakten Abkömmling.

Discount-Zertifikate

Recht gefragt sind bei Anlegern auch so genannte Discount-Zertifikate. Diese gewähren dem Investor im Vergleich zu einem direkten Investment in eine Anlageklasse einen Preisabschlag – nämlich einen „Discount“ – auf den gewählten Basiswert. Im Gegenzug zu diesem günstigeren Einstieg ist der Anleger in seiner Partizipation an der Kursentwicklung des Basiswertes bis zu einer vordefinierten Obergrenze – als „Cap“ bezeichnet – begrenzt. Ist der Kurs des Basiswertes am Ende der Laufzeit gleich oder niedriger dem Cap, erfolgt die Auszahlung des Gegenwertes gemäß dem Bezugsverhältnis, ansonsten wird ein Betrag in Höhe des Caps ausbezahlt.

Index- und Partizipations-Zertifikate

Diese Anlageformen eignen sich für konservative Investoren, die eine kostengünstige Anlagealternative zum klassischen Fondsinvestment suchen. Mit Index- und Partizipations-Zertifikaten bilden sie die Performance eines Basiswertes – etwa einem Index oder einem Rohstoff – eins zu eins ab. Somit ist die Performance des Zertifikats stets identisch mit der Wertentwicklung des zu Grunde gelegten Basiswertes. Ein häufiges Motiv für den Kauf von Index- und Partizipations-Zertifikaten ist die Risikoreduzierung. Anleger können so auf einfache Weise eine Diversifizierung und damit Risikostreuung gegenüber dem Kauf einer einzelnen oder weniger Aktien erreicht.

Optionsscheine

Optionsscheine verbriefen – ähnlich wie Optionen – das Recht, nicht aber die Pflicht, eine bestimmte Menge eines Basiswertes zu einem festgelegten Basispreis zu kaufen (Call Optionsschein) oder zu verkaufen (Put Optionsschein). Dies kann entweder zu einem festen Zeitpunkt (europäischer Typ) oder innerhalb eines Zeitraums (amerikanischer Typ) erfolgen. Optionsscheine ohne spezielle Ausstattungsmerkmale werden in der Fachsprache der Märkte auch als „Plain-Vanilla-Optionsscheine“ bezeichnet.

Optionsverhältnis

Das Optionsverhältnis (oft auch als Bezugsverhältnis bezeichnet) ist der festgelegte Betrag beziehungsweise die Anzahl der Basiswerte, die pro Optionsschein bezogen oder veräußert werden können. Ein Optionsverhältnis von beispielsweise 0,2 besagt, dass fünf Optionsscheine zum Bezug der zu Grunde liegenden Aktie erforderlich sind.

Outperformance-Zertifikate

Outperformance-Zertifikate sind von ihrer Laufzeit her begrenzte Finanzinstrumente, die in ihrem Risikoprofil dem Direktinvestment in einem Basiswert gleichen. Zudem verfügen Outperformance-Zertifikate über einen fest definierten Basispreis. Notiert der Basiswert am Laufzeitende des Zertifikats oberhalb dieses Basispreises, erhält der Anleger zuzüglich zum aktuellen Kurs des Basiswertes die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswertes und dem Basispreis multipliziert mit einem Faktor größer eins. Notiert der Basispreis am Ende der Laufzeit unterhalb des Basispreises erhält der Anleger den Basiswert.

Rolling Discount-Zertifikate

Ein Rolling Discount-Zertifikat investiert kontinuierlich in fiktive Discount-Zertifikate mit in der Regel einem Monat Restlaufzeit. Beim Austausch des dem Produkt zu Grunde liegenden Discount-Zertifikats wird der Cap – also die Obergrenze – dabei neu an die aktuelle Marktsituation angepasst. Die „rollierende“ Konstruktion ermöglicht eine theoretisch unendliche Laufzeit des Rolling Discount-Zertifikats, wobei sich die Emittenten ein Kündigungsrecht vorbehalten.

Sprint-Zertifikate

Sprint-Zertifikate sind von ihrer Laufzeit her begrenzte Produkte für einen Anleger, der die Erwartung auf moderat steigende Kurse hat. Die Produkte bilden die Performance (Wertentwicklung) eines Basiswertes ab und verfügen über zwei Kursbarrieren, nämlich die untere und obere Range (Kursspanne). Notiert der Basiswert am Ende der Laufzeit des Sprint-Zertifikats innerhalb dieser Range, erhält der Anleger zum aktuellen Kurs des Basiswertes zusätzlich die Differenz zwischen diesem Kurs und der unteren Range des Zertifikats. Kostet der Basiswert am Ende der Laufzeit indes weniger als die untere Range, erhält der Anleger den Basiswert. Die maximale Auszahlung entspricht somit dem Kurswert der oberen Range plus der Kursspanne.

Strukturierte Anleihen

Strukturierte Anleihen sind verzinsliche Wertpapiere, die sich durch individuelle Zusatzbedingungen auszeichnen. Diese Bedingungen können die Rückzahlung oder auch die Zinszahlung der Anleihen beeinflussen. Beispiele hierfür sind Credit Linked Notes und Aktienanleihen.

Teilschutz-Zertifikate

Teilschutz-Zertifikate als Kapitalanlage weisen, wie ihr Name schon vermuten lässt, einen gewissen Sicherheitspuffer gegenüber Kursverlusten des Basiswertes auf. Fällt der Kurs des Basiswertes bis zum Ende der Laufzeit unter dieses Sicherheitslevel, die so genannten Knock-in-Schwelle, so nimmt der Anleger ab diesem Zeitpunkt an den weiteren Kursrückgängen teil.

Themen-, Strategie-

und Basket-Zertifikate

Mit Themen-, Strategie- und Basket-Zertifikaten erhalten Anleger gegenüber Index- und Partizipations-Zertifikaten die Chance auf eine über der Wertentwicklung des Gesamtmarktes liegende Rendite. Diese soll durch die aktive Auswahl bestimmter Aktien („Stock Picking“) oder der Definition bestimmter Ein- und Ausstiegssignale („Timing“) erreicht werden. Die im Basiswert enthaltenen Wertpapiere weisen in der Regel einen übergeordneten thematischen Bezug zueinander auf, zum Beispiel die Zugehörigkeit zur selben Branche, und werden vom jeweiligen Emittenten, dem Herausgeber des Zertifikats, selbst zusammengestellt.

Volatilität

Dieser Fachbegriff bezeichnet den Schwankungsbereich von Wertpapierkursen, Rohstoffpreisen oder auch von Investmentfondsanteilen während eines bestimmten Zeitraums. Er ist eine mathematische Größe für das Maß des Risikos einer Kapitalanlage. Zum Beispiel wird ein Durchschnittswert für die Entwicklung eines Fonds in einem Monat gebildet. Als Standard werden die Schwankungen dieses Werts genommen und gemessen, wie weit sich der Fonds in einem Monat von diesem Durchschnittswert entfernt hat. Also wird die Schwankungsbreite um den Mittelwert herum errechnet. Je größer nun diese Schwankungsbreite ist, desto volatiler und damit risikoreicher ist der Fonds.U.R./Tsp

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