Zeitung Heute : Nadelöhr zwischen den Netzen

MAURICE SHAHD

Internet ist nicht gleich Internet.Das merkt spätestens, wer sich über das Deutsche Forschungsnetz (DFN) auf die Datenautobahn begibt.Bei den Webseiten von Universitäten, Schulen oder Forschungseinrichtungen sorgt das breitbandige Wissenschaftsnetz für schnellen Bildaufbau und flinke Downloads.Wer dagegen kommerzielle Internet-Angebote nutzen will, wird mit zum Teil quälend langsamen Übertragungsraten bestraft.Denn das Internet ist in Deutschland in einen wissenschaftliches und ein kommerzielles Netz unterteilt.Daten aus beiden Netzwelten werden nur an einem einzigen Übergabepunkt ausgetauscht.Und den teilen sich 17 private Internet-Provider, die ihre eigenen Netze betreiben und auf deren Webservern die Internet-Seiten ihrer Kunden abgelegt sind."Natürlich ist die Clearingstelle in Frankfurt ein Flaschenhals.Aber höhere Bandbreiten bei der Übergabe kosten eine Menge Geld, das weder wir noch die Provider aufbringen wollen", räumt Gudrun Quandel ein, die Pressesprecherin des DFN-Vereins.



Hauptaufgabe des 1984 gegründeten, gemeinnützigen Vereins ist der Betrieb und die Weiterentwicklung des Deutschen Forschungsnetzes.Zu den Mitgliedern gehören Hochschulen, Großforschungseinrichtungen, Bibliotheken oder Wirtschaftsunternehmen, die sich in der wissenschaftlichen Forschung engagieren.Hinzu kommen rund 3000 Schulen."Ziel ist es, unseren Mitgliedern die Kommunikation über das Internet zu ermöglichen und wissenschaftliche Anwendungen zu testen", erläutert Klaus-Eckart Maass, kaufmännischer Geschäftsführer des DFN-Vereins.Zur Zeit werde die Auschreibung für ein Gigabit-Netz vorbereitet, das im Jahr 2000 in Betrieb gehen soll.Damit sind völlig neue Anwendungen möglich, zum Beispiel im Bereich Teleteaching.

Der Betrieb des Wissenschaftsnetzes wird von den Mitgliedern des DFN-Vereins selbst finanziert.Für die technologische Weiterentwicklung des Netzes gibt es Fördergelder vom Bundesforschungsministerium.Einzelpersonen, Schulen und kleinere Einrichtungen aus dem Bildungs- und Kulturbereich werden über den sogenannten "Winshuttle" an das Netz angeschlossen."Da wir der Wissenschaft und Forschung sowie der Qualifizierung und Bildung verpflichtet sind, können wir nur Personen, die in diesem Bereich tätig sind, einen Zugang zum Internet verschaffen", erklärt Maass.Gemeint sind Studierende, Schüler, Auszubildende, Lehrer oder Mitglieder wissenschaftlicher Einrichtungen, die das auch nachweisen müssen.Umsonst gibt es den Zugang zum Internet nicht.Für eine Grundgebühr von 10 DM pro Monat gibt es eine Freistunde, jede weitere Stunde kostet 1,20 DM.Fünf Megabyte Speicherplatz für die eigene Homepage und drei E-Mail-Adressen sind im Preis enthalten.Bei der Einrichtung des Zugangs hilft ein ausführliches Handbuch, das sogar eine Konfigurationsanleitung für das Betriebssystem Linux enthält.Software wird nicht mitgeliefert, die findet sich dafür im Überfluß auf der Winshuttle-Homepage.Für jedes Betriebssystem sind nützliche Tools zu finden.



Im Geschwindigkeitstest zeigt sich das beschriebene Problem der unterschiedlichen Netze.Beim Download der Testdatei von einem Microsoft-Server betrug das durchschnittliche Maximum der Übertragungsraten analog lediglich 3,0 Kilobyte pro Sekunde.Deutlich schneller war die Übertragung von einem an das Wissenschaftsnetz angeschlossenen Server einer Hochschule.Das gleiche Bild bei der Übertragung per ISDN: Im Durchschnitt wurden nur magere 3,6 Kilobyte pro Sekunde erreicht.Beim Herunterladen von einem Uni-Rechner wurden bis zu 6,4 Kilobyte erreicht.



Fazit: Der Winshuttle ist nur für Anwender interessant, die ihren Internet-Zugang überwiegend für wissenschaftliche Zwecke nutzen wollen.Andere Internet-User sollten einen kommerziellen Internet-Provider vorziehen.Für sein Leistungsangebot erhält der Provider die Bewertung "knapp befriedigend".

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