Zeitung Heute : Napster: Alternative auf hoher See?

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Die ohnehin gebeutelte Musik-Tauschplattform Napster muss sich abermals mit einer Klage auseinandersetzen. Wie der Informationsdienst News.com berichtet, will der Online-Musikhändler E-Music Napster wegen des vorsätzlichen Verstoßes gegen das Urheberrecht erneut vor Gericht bringen. E-Music wirft Napster vor, monatelang in Bezug auf Zensiermöglichkeiten beim Tauschangebot mit falschen Karten gespielt zu haben. Damit scheint sich die Tatsache, dass es Napster bislang als unmöglich bezeichnet hatte, einzelne Musikstücke vom Tausch auszuschließen, als Bumerang für die junge Firma zu erweisen.

Unterdessen arbeitet Napster daran, die Auflagen einer Einstweiligen Verfügung vom Dienstag zu erfüllen. Nach dem Urteil der Richterin Marilyn Hall müssen alle urheberrechtlich geschützten Musiktitel binnen 72 Stunden aus dem Angebot verschwunden sein. Und diese Frist beginnt, sobald Napster von den Plattenfirmen eine Liste mit den Stücken enthält, die nicht mehr frei zugänglich sein sollen. Die Filterung von Napster funktioniert nur zum Teil. Einige umstrittene Songs, wie die von Rapper Dr. Dre oder der Gruppe Metallica waren bis Donnerstag verschwunden. Andere Songs tauchten unter einer neuen Schreibweise wieder auf der Napster-Suchmaschine auf.

Ein junger Kanadier will enttäuschten Napster-Mitgliedern eine Alternative anbieten. Wie die britische Zeitung "Globe and Mail" berichtet, plane der 21-jährige Matt Goyer, einen Napster-ähnlichen Dienst auf hoher See und damit außerhalb der Gerichtsbarkeit der USA zu organisieren. Goyer will dem Bericht zufolge die Dienste von Havenco ( www.havenco.com ) nutzen, der Firma, die die legendäre Plattform Sealand ( www.sealandgov.com ) zehn Kilometer vor der Ostküste Großbritanniens betreibt. Sealand wurde im Zweiten Weltkrieg von der britischen Armee errichtet und erklärte sich 1967 für souverän.

Betreiber eines Napster-Servers auf Sealand könnten nicht von der mächtigen US-Plattenindustrie und deren Verband RIAA verklagt werden, wie gerade geschehen, weil die Gesetze der Vereinigten Staaten auf der Plattform keine Gültigkeit haben. Die Anlaufkosten in Höhe von 15 000 Dollar will Goyer durch Spenden enttäuschter Napster-Mitglieder zusammenbekommen.

Darüber hinaus gibt es immer mehr Napster-Nachahmer, die weiter Musik zum Gratis-Downlaod ins Netz stellen, darunter Audiogalaxy Satellite, BearShare oder Napigator.

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