Zeitung Heute : Napster: US-Gericht setzt Musiktauschbörse Frist

Die kostenlose Musiktauschbörse Napster muss das Kopieren von urheberrechtlich geschützten Musikstücken über seine Website binnen drei Tagen unterbinden. Dies entschied eine Bundesrichterin am Dienstag in San Francisco. Die Richterin erließ damit eine abgewandelte Version ihrer einstweiligen Verfügung vom vergangenen Juli, die wegen zu allgemeiner Formulierung vom Berufungsgericht beanstandet worden war. Über die Website von Napster können Musikstücke mit einer speziellen Software im Internet aufgespürt und gratis heruntergeladen werden. Künstler und Plattenlabels sehen dadurch ihre Rechte verletzt.

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Die Richterin trug Napster auf, binnen fünf Tagen im Detail zu erklären, was die Tauschbörse tun will, um Verstöße gegen das Urheberrecht zu verhindern. Am Freitag hatte die Firma angekündigt, Filter zu installieren, um das Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Stücken zu verhindern. Der deutsche Bertelsmann-Konzern plant, Napster im Sommer in ein kostenpflichtiges Angebot umzubauen. Andere Musikkonzerne wie Sony wollen bisher jedoch nicht mit der Tauschbörse zusammenarbeiten.

Ein US-Gericht hat der Internet-Tauschbörse Napster drei Tage Zeit gegeben, alle urheberrechtlich geschützten Musiktitel zu sperren. Die 72-Stunden-Frist beginnt, sobald Plattenfirmen Listen mit den Stücken vorlegen, die nicht mehr frei zugänglich sein sollen, sagte Bezirksrichterin Marilyn Hall Patel am Dienstag. Der Verband der US-Schallplattenindustrie (RIAA) begrüßte die Entscheidung. "Wir sind dankbar, dass das Bezirksgericht so schnell gehandelt hat", sagte die RIAA-Vorsitzende Hilary Rosen.

Napster hatte Ende vergangener Woche angekündigt, mit Hilfe einer eigens entwickelten Filtersoftware rund eine Million Musiktitel sperren zu lassen. Das Unternehmen will damit eine drohende Schließung abwenden. Bis Montag war ein Großteil der urheberrechtlich geschützten Stücke jedoch noch frei verfügbar. Andere Musiktauschbörsen verzeichneten unterdessen einen deutlichen Anstieg der Zugriffe. Diese Entwicklung stelle die Musikindustrie vor neue Probleme, erklärten Branchenkenner. Man habe Napster vielleicht in die Knie gezwungen, aber stehe nun vor einer Reihe neuer Dienste, die schwieriger zu belangen seien, sagte Aram Sinnreich (Jupiter Research).

Im Netz kursieren derweil Boykott-Aufrufe und Lösungen, wie die User die Filter umgehen können. Und einer der entschiedensten Gegner der Musiktauschbörse hat eingelenkt: Das Platten-Label Universal möchte mit Napster/Bertelsmann zusammen arbeiten.

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