Zeitung Heute : Nato-Sprecher Janie Shea sieht keine kriegsentscheidende Rolle von TV und Print

Der Kosovo-Konflikt war nach Ansicht von Nato-Sprecher Jamie Shea auch ein "Medienkrieg". Allerdings sei die Rolle von Fernsehen und Printmedien nicht "kriegsentscheidend" gewesen. Es habe sich gezeigt, dass die Medien heute nur noch schwer beeinflussbar seien, sagte der gelernte Historiker in Dresden. Viele Medien seien nach den ersten "Fehlschüssen" der Nato in die "Opposition" gegangen. Das habe auf die generelle Zustimmung der Bevölkerung zum Nato-Einsatz in den meisten Nato-Mitgliedsländern aber "nur sehr geringen Einfluss gehabt".

Die kritische Berichterstattung vieler Medien begründete Shea damit, dass ein "klinisch sauberer Krieg" ohne Opfer in der Zivilbevölkerung nicht möglich war. Obwohl es bei mehr als 25 000 Nato-Angriffen auf Ziele in Jugoslawien "nur" rund 60 "Irrtümer" gab, hätten diese weitgehend die Schlagzeilen beherrscht. Die Vertreibung von mehr als 250 000 Menschen habe dagegen nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Shea wandte sich gegen den Vorwurf, er habe die Medien in seinen täglichen Pressekonferenzen "bewusst in die Irre geführt". Er habe stets nach "bestem Gewissen die Wahrheit gesagt". Er räumte aber ein, dass sein eigener Wissensstand nicht immer optimal war. So sei er oft selbst zum "Journalisten geworden" und habe eigene Recherchen zur Lage anstellen müssen. Geheimdienste und Militärstellen seien dabei nicht immer "hilfreich" gewesen, vor allem bei der Beschaffung von Bildmaterial.

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