Zeitung Heute : Naturstoff

Paul Janositz

Einheitliches Harz gibt es nicht, im Grunde ist jedes Harz anders zusammengesetzt. Alle natürlichen Harze sind aber Pflanzensäfte, meist von Bäumen. Für die Chemiker ist Harz „ein Gemenge“ aus organischen Substanzen wie Säuren und Alkohol. Die Zusammensetzung ist nicht nur nach Pflanzenart verschieden, sondern hängt auch vom Klima ab, dem der Baum ausgesetzt ist. Die meisten Harze sind gelb bis braun gefärbt, es gibt aber auch grünliche und rote Sorten. So etwa Kolophonium, hellgelbes bis rubinrotes Harz, das aus Kiefern gewonnen wird und zum Bestreichen des Bogens von Saiteninstrumenten verwendet wird. Harze sind weitgehend geschmackfrei und geruchlos, vielleicht zum Erstaunen derer, die am Weihnachtsbaum den typischen Harzgeruch wahrzunehmen glauben. Dieser ist aber auf die beigemengten ätherischen Öle zurückzuführen.

Harz fließt aus natürlich entstandenen Löchern oder Rissen der Rinde. Die abgesonderte, klebrige Masse dient als Wundverschluss, der Bakterien abhalten soll. Für den Menschen ist Harz jedoch nützlich, und so wird die Rinde gezielt verletzt, um den Saft aufzufangen. An der Luft verdunsten die flüchtigen Bestandteile, die zurückbleibenden Komponenten reagieren miteinander zu Großmolekülen, zu natürlichen Polymeren. Das geschieht auch beim Kautschuk, „dem weinenden Baum“, so die indianische Bezeichnung „cahuchu“. Hier ist es der weiße Milchsaft (Latex), der beim Anritzen der Stämme von Kautschukbäumen ausfließt. Der Baum wird heute in den Tropengebieten Afrikas, Asiens und Südamerikas angebaut. Natürlichen Kautschuk enthalten auch die Milchsäfte verschiedener in unseren Breiten heimischer Gewächse wie Gänsedistel, doch bei den kleinen Pflanzen ist die Ausbeute sehr gering.

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