Zeitung Heute : Navigieren in T-Online fällt nach wie vor schwer

HANS-PETER STRICKER

Pluspunkte sammelt der Dienst bei der leichten Installation der ZugangssoftwareHANS-PETER STRICKERDie hohe Kundenzahl, die T-Online als größter deutscher Online-Dienst vorweisen kann ­ über 1,9 Millionen im Vergleich zum Tabellenzweiten AOL-Bertelsmann mit knapp 500 000 -, ist durch eines gewiß nicht zu erklären: durch besonders hohe Benutzerfreundlichkeit.Noch immer gilt die Benutzerschnittstelle des Online-Dienstes im Vergleich zu seinen Konkurrenten und zum World Wide Web (WWW) als unübersichtlich, unintuitiv und schwerfällig.Doch seit kurzem gibt es eine rühmliche Ausnahme: das T-Online-Homebanking-Tool. Homebanking, also die Kontoführung per Computer und Modem von zu Hause aus, war schon immer die Domäne der Telekom-Tochter T-Online, die als "Btx" (Bildschirmtext) in den frühen achtziger Jahren das Licht der Welt erblickte.Tatsächlich kann das konsequente Ausfüllen der Marktnische "Homebanking" als Schlüssel zum jüngsten Erfolg von T-Online gelten: Geldangelegenheiten mit dem Computer zu erledigen, trifft wie kaum ein anderes Angebot den Zeitgeist.Heute kooperiert der Dienst mit allen namhaften Banken Deutschlands und konnte allein in der zweiten Jahreshälfte 1997 über 350 000 Neukunden hinzugewinnen.Rund 3,5 Millionen elektronische Konten werden über T-Online geführt. Allein, auch das Homebanking litt bis zuletzt an einer lange verschleppten Kinderkrankheit des Online-Riesen: am grafischen CEPT-Standard.Der ist ­ mit den Steuersymbolen * und # aus Btx-Zeiten übernommen ­ bis vor kurzem das unschöne Aushängeschild eines ansonsten durchaus nicht unschönen Angebotes gewesen.Außer einer minimalen Bildschirmauflösung, die nur klobige Buchstaben und plumpe Kleingrafiken erlaubte, störten an der CEPT-Oberfläche vor allem die unübersichtlichen Navigationsmöglichkeiten und die fehlende Offline-Tauglichkeit. Das ist mit dem neuen Homebanking-Programm zum Glück anders geworden, mit dem man nun seine Formulare in aller Ruhe offline ausfüllen kann und dann nur noch schnell per Mausklick abschicken muß.Genauso lassen sich schon seit längerem auch E-Mails offline verfassen ­ eine seinerzeit hochwillkommene Neuerung, im Internet aber zum Beispiel schon immer selbstverständlich. Ansonsten macht T-Online seinem Namen weiterhin alle Ehre, als nämlich das komplette inhaltliche Angebot ­ von den Nachrichtendiensten über die Verbraucherinformationen bis hin zu den Zeitungsarchiven ­ nach wie vor nur online durchstöbert werden kann.Dabei zeigen Internet und World Wide Web, wie es gehen könnte.In einem eigenen Verzeichnis speichert der Browser (die WWW-Zugangssoftware) alle besuchten Seiten, nach dem Kappen der Internet-Verbindung kann man sie sich in aller Ruhe noch einmal ansehen.Zwar speichert auch der T-Online-intern auf dem Vormarsch befindliche Multimedia-Standard "KIT" manche heruntergeladenen Dateien auf der Festplatte ab, an sie heran kommt man dann aber doch nur, wenn man online ist. "Online" heißt bei T-Online grundsätzlich, daß zwei Gebührenzähler mitlaufen: einer für die Telefongebühren und einer für die Online-Zeit.Jede Online-Stunde kostet von acht bis 18 Uhr 4,80 DM, zu den anderen Zeiten drei DM.Wer eine frühere Version der T-Online-Zugangssoftware (kleiner 2.0) benutzt, muß mitunter sogar dreifach zahlen.Zwar kostet ihn die reguläre Online-Stunde nur 3,60 DM, im Billigtarif gar nur 1,20 DM, doch dafür wird jede Internet-Stunde noch einmal mit drei DM extra berechnet; Benutzer der Versionen 2.0 und höher surfen umsonst.Hinzukommt dafür in beiden Fällen eine monatliche Grundgebühr von 8 DM (ohne Freistunden) und die Gebühren für kostenpflichtige Angebote Dritter, die über T-Online zur Verfügung gestellt werden. Weitere Informationen bei T-Online unter

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