Zeitung Heute : Neben Akademien und Instituten bilden sogar Volkshochschulen Drehbuchautoren aus

Monika Fischer

Bei den vielen Filmen und noch mehr Vorabendserien deutscher Produktion kann durchaus der Gedanke aufkeimen, das Drehbuch dafür selbst (besser) schreiben zu können. Warum auch nicht? Schreiben ist schließlich ein Handwerk und das kann man lernen. Hochschulen, Akademien, Institute und sogar Volkshochschulen wetteifern regelrecht darum, angehenden Drehbuchautoren das Rüstzeug zu vermitteln.

Ein komplettes Studium zu absolvieren, bietet sich vor allem für diejenigen an, die an ihrer Berufung zum Drehbuchautoren keinerlei Zweifel haben. Die Filmakademie in Ludwigsburg (Tel: 071 41 / 969 - 0, www.filmakademie.de ) verlangt vor dem Studium ein 12-monatiges Praktikum im Medienbereich. Doch zur langen Studiendauer (acht Semester), den rigiden Bewerbungsfristen (nur ein Mal jährlich) und den schwierigen Aufnahmeprüfungen an der Alma Mater gibt es auch Alternativen. Für sie spricht der hohe Bedarf an Drehbuchautoren. Ideen sind gefragt - jetzt und fast unabhängig von Alter und Ausbildung.

Heiß begehrt sind die Akademien und Institute. Aber auch zur Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (dffb, Tel: 300 90 40, www.dffb.de ), zur Hochschule für Film- und Fernsehen Babelsberg (HFF, Tel: 03 31 - 746 90, www.hff-potsdam.de ) oder dem Bonner privaten Billy-Wilder-Institute of Film and TV-Studies (BWI, Tel: 02 28 / 21 41 68, www.billy-wilder-institute.de ), das eng mit Grundy UFA zusammenarbeitet und nach dem amerikanischen College-Modell organisiert ist, gibt es noch Alternativen. Grund- und Aufbaukurse werden von Drehbuchwerkstätten (Drehbuchwerkstatt München, Tel: 0 89 - 697 081 74, www.drehbuchwerkstatt.de ) angeboten. Die Schreibschule Köln (Stipendien-Bewerbungsfrist: 15. September, Tel: 02 21 / 92 01 88 11, Internet: http://www.filmschule.de ) offeriert ähnliche Kurse. Die Master School Drehbuch in Babelsberg (Tel: 03 31 / 721 28 86, www.filmboard.de ) dagegen hat sich auf die Begleitung bei der Stoffentwicklung spezialisiert.

Einsteiger können sich einen ersten Eindruck auch in Volkshochschulen vermitteln lassen. Von derzeit drei Berliner VHS-Kursen (in Mitte, Steglitz und Tiergarten) sind die Workshops des VHS-Tiergarten am ehesten auf ernsthaft Interessierte zugeschnitten, die nicht nur zuhören, sondern aktiv ein eigenes Drehbuch entwickeln wollen. In aufeinander aufbauenden Seminaren vermittelt Dozent Carsten Schneider hohe Qualität zum niedrigen Preis. Er warnt seine Kurs-Teilnehmer vor einem verfrühten Gang auf den Markt. Die Drehbuch-Gemeinde sei "sehr klein" und "der Ruf schnell ruiniert". Um sich Grundlagenwissen anzueignen, empfiehlt Schneider die Lektüre von "Drehbuchhandwerk" von David Howard und Edward Mabley. Viele Brancheninsider kritisieren die hölzerne Übersetzung der deutschen Ausgabe (Emons Verlag, Leck, 2. Aufl. 1998, 45 Mark) und raten zum englischen Original "The tools of screenwriting".

Exposés kritisch unter der Lupe

Für Fortgeschrittene sind die Aufbaukurse der Medien- und Kulturarbeit (Tel: 040 / 39 90 99 31, E-mail: medienundkulturarbeit@t-online.de ) in Hamburg (mit Frank Göhre) oder Berlin (Detlef Michel) eine sinnvolle Ergänzung (Grundkurs, siehe Tagesspiegel vom 16.01.2000). Für den Weg vom Exposé zum Treatment (Aufbaukurs I) bewirbt man sich mit einem sechsseitigen Exposé, das von Leiter und Kursteilnehmern kritisch unter die Lupe genommen wird. Dabei vermittelt Tamara Duve, Producerin bei Regina Ziegler Filmproduktion, Marktnähe. Sie analysiert die eingereichten Exposés und nennt die Anforderungen an ein brauchbares Drehbuch. Besonderen Wert legt die Fachfrau auf eine "mehrschichtige Figurenzeichnung", denn: "Die Figur bestimmt die Handlung!" Ihr Literaturtipp: "Von der Figur zum Charakter" von Linda Seger (Alexander Verlag, Berlin, 1999, 44 Mark). Um das Erzählen von Geschichten geht es in dem jetzt auf Deutsch erscheinenden Kultbuch "Story" von Robert McKee (Alexander Verlag, Berlin, voraussichtlich Mai 2000, um die 50 Mark).

Tamara Duve hat noch weitere Tipps parat. Sie rät beispielsweise davon ab, das Drehbuch gleichzeitig an mehrere Verlage oder Sender zu schicken. Besser sei es zu recherchieren, welcher Produzent welche Sender bedient - am besten anhand des Jahrbuchs des Münchner Bundesverbands Produktion (Tel: 0 89 / 38 09 14 91, www.bv-produktion.de ). Für unbedingt sinnvoll hält Tamara Duve auch Linda Segers "Das Geheimnis guter Drehbücher", Christopher Voglers "Odyssee des Drehbuchschreibers" sowie Sydney Lumets "Filme machen".

Betreuung von der ersten Idee bis zur letzten Drehbuchfassung bietet das Script House in Berlin (Tel: 28 39 02 46, www.scripthouse.de ). Weitere Infos übers Drehbuchschreiben und die ersten Schritte der Vermarktung sind beim Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD, Tel: 282 42 05, www.drehbuchautoren.de ) oder unter www.drehbuchforum.de zu bekommen.

Wer jetzt endlich loslegen will, kann unter www.zdf.de/escript an einem Drehbuch für die neue "Wilsberg"-Krimiserie (Tatort) mitschreiben oder sich als Storyliner für die RTL-Serien "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" in Potsdam-Babelsberg oder für "Unter uns" bei Grundy UFA TV in Hürth bewerben. Honorar-Illusionen sollte sich freilich niemand machen.

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