Zeitung Heute : Nelson Mandela: Er macht noch immer Staat

Stephan-Andreas Casdorff

Bonn, vor Jahren. Der Platz vor dem Bundestag ist abgesperrt und überfüllt. Helmut Kohl verschwindet in der wogenden Menge - aber da geht er: Nelson Mandela, der Präsident. Wie groß er ist. Wie gegenwärtig. Er lächelt, geduldig.

Die Zelle auf Robben Island, in der er so viele Jahre verbrachte, ist wirklich klein - und jetzt ist sie leer! Darin stelle man sich mal diesen Mann vor. Die Zelle: ein so begrenzter Raum, dass die weißen Herren der Finsternis hofften, er werde auf die Dauer seinen Geist umnachten. Aber Mandela war zu groß. Für die Zelle, für sie. Er blieb allen gegenwärtig.

Als es nach Jahrzehnten zu einer Annäherung kam zwischen dem letzten Herren der Apartheid, Frederik de Klerk, und dem Helden der freien Welt, wurde Mandela 1990 langsam mit abendlichen Ausflügen von der Insel in die Umgebung von Kapstadt auf seine Freilassung vorbereitet. Seine Haare waren weißer geworden, ansonsten war er unverändert: ungebeugt und groß, von Statur und Gesinnung. Wie gegenwärtig.

Richard Holbrooke, der Amerikaner, der in Dayton Frieden für den Balkan aushandelte , nennt Nelson Mandela den "größten Staatsmann aller Zeiten". Er braucht kein Amt. Mandela mit seiner Autorität verhilft Burundi zum Frieden (wenn auch einem wackeligen) und Südafrika zu einer neuen Aids-Politik. Geduldig und lächelnd. Er macht noch immer Staat. Kein Wunder, dass sich noch heute alle mit ihm fotografieren lassen wollen. Und sei es mit ihm als Pappkameraden. Bis auf Thabo Mbeki, seinen Nachfolger. Der ist kleiner, auch von Statur.

Wenn nur seine Hemden nicht so bunt wären.

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