Zeitung Heute : "Net-Business": Doch Geschäft mit dem Netz

meh

Ist das Geschäft mit dem Netz kein Geschäft mehr? Nach der Pleite zahlreicher New-Economy-Firmen scheint es nun auch Zeitungen und Zeitschriften an den Kragen zu gehen, die vom Start-Up-Boom der vergangenen drei Jahre profitiert haben. Ins Gerede gekommen ist dabei das New-Economy-Blatt "Net-Business". Bei dem Wochen-Magazin aus der Verlagsgruppe Milchstraße sollen einige Zeichen auf Sturm stehen, nur ein Jahr nach dem Start.

Angeblich werde der Redaktionsetat gekürzt, auch von einem Personalstopp war die Rede. Der Grund: die schlechte Anzeigenlage, die wiederum mit der schlechten Finanzsituation der New-Economy-Firmen zusammenhängt und am schmaleren Blattumfang deutlich sichtbar wird. Das mit rund 80 Seiten gestartete Blatt ist in der aktuellen Ausgabe vom 8. Januar auf 40 Seiten geschrumpft, davon sind nur 10 Anzeigenseiten.

Was ist dran an dem Krisengerede um "Net-Business"? "Diese Spekulationen sind weit weg von der Wahrheit", sagt der Verleger Dirk Manthey. "Sicher ist die Anzeigenlage im Januar schlechter, aber das betrifft fast alle Printprodukte, nicht nur uns. Im vergangenen Jahr waren wir der Shooting-Star unter den Wirtschaftsmagazinen. Es lief insgesamt wesentlich besser, als wir zum Start im Januar 2000 gehofft hatten. Außerdem haben wir auch Anzeigenkunden aus der Old Economy, wie Armani oder Dresdner Bank."

Kommen und Gehen

Und was ist mit den Umstrukturierungen? Einige Ressorts wie "New Media" wurden gestrichen oder mit anderen zusammengelegt, ein paar Redakteure entlassen. "Das ist ein normales Kommen und Gehen in dieser Branche. Wir werden in der übernächsten Woche sogar einen neuen, achtseitigen Medienteil im Blatt haben und dafür sicher einige neue Redakteure vom Fach einstellen." Dirk Manthey denkt nicht ans Aufgeben und hat für die nächste Zeit ein verändertes Blattkonzept im Auge. Auch Spekulationen über die Zukunft des Chefredakteurs Klaus Madzia seien aus der Luft gegriffen, so der Verleger. "Die Position von Klaus Madzia ist nicht gefährdet. Er macht eine exzellente Arbeit."

Dennoch ist die anhaltende Krise in der New Economy ein Anlass, die eigene Marktposition noch einmal zu überdenken. Aus dem reinen Start-Up-Magazin "Net-Business" soll eine Zeitschrift mit einer breiteren Angebotspalette werden. "Wir wollen hin in Richtung Wirtschaftszeitung, etwas weg von den Start-Ups, von der New Economy", sagt Chefredakteur Klaus Madzia.

Mit diesem Konzept rücke man dann noch mehr in die Konkurrenz zum "Handelsblatt", der "Financial Times Deutschland" oder auch dem "Manager Magazin". Neue Investitionen und eine große Marketingoffensive sollen "Net-Business" am Zeitschriftenmarkt etablieren.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben