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RÜDIGER SINGER

"Der gute DiebÒ des jungen Iren Conor Mc Pherson in der DT-BarackeRÜDIGER SINGER"Nur eine schlechte Hexe ist eine gute Hexe!" heißt es in Ottfried Preußlers berühmtem Kinderbuch, und kein Philosoph hat schöner die feindlichen Gebote von Welt und Moral gegeneinandergestellt.Ist aber nun "Der gute Dieb", den der junge Dubliner Conor McPherson seit 1994 erfolgreich über englische und irische Bühnen geschickt hat und der nun in der "Baracke" des Deutschen Theaters angekommen ist, gut im Herzen oder bloß gut im Gaunern? Letzteres kaum: Als er nämlich für seinen Boß, einen Dubliner Schutzgelderpresser, den zahlungsunwilligen Geschäftsmann Mitchell einschüchtern soll, lauern ihm zwei "echte Profis" auf, denen der "miese Anfänger" zwar unter Zurücklassung mehrerer Toter und unter Mitnahme von Witwe und Töchterchen Mitchell auf ziemlich wundersame Weise entkommt; aber schon bald haben ihn die eigenen Leute aufgespürt, die über die ganze Geschichte gar nicht erfreut sind."Gut" kann also nur des Ganoven Herz sein: Tatsächlich sehnt er sich nach nichts so sehr wie nach seiner verflossenen Liebe, die zu seinem Boß übergelaufen ist, und überhaupt nach Treue, Häuslichkeit, Kindern und der gleichen guten Sachen mehr. Unter der Regie von Christoph Roos spielt Bastian Trost ein rothaariges, schnurrbärtiges Bürschchen mit Stiefelchen, Lederjacke (etwas zu weit), hellen Hosen (schlecht sitzend), heller Stimme und irritierend hellem Blick, der manchmal etwas leicht Irres hat - sonst würde man dieser Gestalt das Leutezusammenschlagen und Häuserabfackeln wirklich nicht abnehmen.Drei Tische deuten einen leeren Pub an (Ausstattung: Peter Scior); Kaffee aus der Thermoskanne und ein Hauch Filmmusik unterstützen unaufdringlich den Monolog, der zwischen Treuherzigkeit und Angeberei schwankt. Manchmal stottert der Junge und hat in eigentlich sanften Bewegungen eine gewisse Gehemmtheit.Wird er sentimental oder kann es mal wieder einfach nicht fassen, starrt er ins Leere.Es gibt viel zu lachen.Und der fröhliche Applaus bezeugt, daß sich ein naiver Gangster so spielend in unser Herz stehlen kann wie eine kleine Hexe. Baracke des Deutschen Theaters, 12.und 27.März, jeweils 20 Uhr.

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