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Der Tagesspiegel

STADTMENSCHEN

Wie ist das, wenn man sich als Diplomat in einem fremden Land vorstellen muss? Dafür gibt es, vermutlich, so viele Möglichkeiten wie Diplomaten. Zitate sind vielleicht seltener. Vor allem, wenn sie von dieser forschen Art sind: „Wenn man an einen fremden Strand kommt/Ist man immer zuerst etwas verlegen./Man weiß nicht recht, wohin man gehen soll./Wen man anbrüllen darf!/Und vor wem man den Hut zieht.“ Stammt aus Mahagonny, der raubeinigen Brecht-Oper aus den 20er Jahren. Carl Tham, der neue schwedische Botschafter, führte sich damit bei seiner ersten Berührung mit der Berliner Öffentlichkeit am Montagabend ein. Da wundert es nicht, dass der Mann Literatur und Geschichte studiert hat und auch Minister für Bildung und Wissenschaft war. Aber für Arbeit und Energie war Tham auch zuständig und für Entwicklungshilfe, und dass er außerdem der königlichen Oper und den Schwedischen Kunstmuseen vorstand, macht sofort deutlich, was für einen eindrucksvollen Grenzgänger Schweden der Bundesrepublik als Nachfolger des Ende Dezember in seine Heimat zurückgekehrten Mats Hellström geschickt hat. So richtig da, nämlich akkreditiert, ist Tham übrigens noch nicht. Es waren auch nur Kultur- und Medien-Angehörige sowie notorische Schweden-Freunde, die Kultur-Botschaftsrat Johan Bengt-Pahlsson für diesen ersten Empfang in die Residenz in Grunewald eingeladen hatte. Gebrüllt wurde natürlich nicht, und dass er nicht wisse, wohin er gehen solle, stimmt übrigens auch nicht ganz: Der rührige Kultur-Botschaftsrat hat Tham für die nächsten Tage schon reichlich mit Theater-Karten versehen. Rdh.

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