Zeitung Heute : Neue Ermittlungen im Mordfall Politkowskaja

Moskau - Drei Jahre nach dem Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja hat das oberste Gericht Russlands nun doch eine neue Beweisaufnahme angeordnet. Dabei müssten die Ermittlungen gegen den gesuchten mutmaßlichen Mörder Rustam Machmudow in die laufende Verhandlung gegen vier angeklagte Komplizen einbezogen werden. Das sagte ein Justizsprecher nach Angaben der Agentur Interfax am Donnerstag in Moskau. Damit gab das oberste Gericht überraschend einem Antrag der Politkowskaja-Familie statt.

Noch im Juni hatten die obersten Richter neue Ermittlungen abgelehnt. „Die jetzige Entscheidung ist ein Schritt hin zu einer völligen Aufklärung des Falls“, sagte die Anwältin Karina Moskalenko, die die Politkowskaja-Familie vertritt. „Man darf aber nicht vergessen, dass seit dem Mord bereits drei Jahre vergangen sind“, sagte Moskalenko. Die Angehörigen der ehemaligen Journalistin der regierungskritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ hatten sich an die höchste Instanz gewandt, nachdem ein Moskauer Militärgericht zuletzt im zweiten Prozess gegen die vier Angeklagten weitere Ermittlungen abgelehnt hatte.    Die mutmaßlichen Komplizen in dem Mordfall waren in einem ersten Verfahren im Februar dieses Jahres aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Diese Freisprüche hatte jedoch das oberste Gericht ebenfalls kassiert und ein Verfahren mit neuen Geschworenen angeordnet. Ein neues Verfahren soll nun erst beginnen, wenn der mutmaßliche Mörder Machmudow gefasst ist. Zwei seiner Brüder standen zuletzt als Komplizen vor Gericht.    Der Chefredakteur der „Nowaja Gaseta“ und Ex-Kollege von Politkowskaja, Dmitri Muratow, äußerte nach dem jetzigen Urteil die „Hoffnung, dass das Verbrechen detaillierter untersucht“ wird. dpa

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