Zeitung Heute : Neue Heimat für alte Computer

KATHARINA VOSS

"ECO-PC" will gebrauchte Geräte fit für den Unterricht machen und zugleich Arbeitslose schulenVON KATHARINA VOSSEs begann mit einem Mißverständnis: Matthias Roß suchte einen Partner für das Recyceln von Bauschutt.Statt dessen stieß der Geschäftsführer der KirchBauhof GmbH in Belgien auf eine Firma, die alte Computer sammelte und an Schulen weitergab.So kam der KirchBauhof vom Baumüll zum Elektronikschrott, und nach einer kurzen, heftigen Vorbereitungsphase konnte das Berliner "ECO-PC"-Projekt starten. Seit rund drei Monaten bekommen alte Computer jetzt in der Forsterstraße 5 ein neues Gesicht.Unternehmen und Privatpersonen können ihre alten Geräte von KirchBauhof-Mitarbeitern abholen lassen.Angenommen werden aber nur PCs von der 486er Generation an aufwärts.Im zweiten Stock des roten Backsteinhauses werden die Computer zunächst einmal gründlich gereinigt und mehrere Stunden lang getestet.Ganz wichtig dabei: Die Firmen können sich darauf verlassen, daß ihre Daten komplett entfernt werden."Wir schließen mit jedem Unternehmen einen Vertrag ab," sagt Mathias Roß, "in dem wir den Datenschutz garantieren".Immer zwei Mitarbeiter sind für die Löschung einer Festplatte verantwortlich.Ein Protokoll zeigt, wer wann was gelöscht hat. Dietz-Cornelius Valentien von der Schering AG hat sich davon persönlich überzeugt: "Ich habe mir die Protokolle selber angeguckt und volles Vertrauen in die Leute vom KirchBauhof", sagt er.Die Schering AG will in den nächsten Monaten mehrere hundert Computer austauschen.Neben Schering haben auch schon Siemens und die BB DATA GmbH ihre alten Computer von den KirchBauhoflern abholen lassen.Früher hat Siemens alte Computer auch direkt an Schulen weiter gegeben.Mittlerweile ersticken die Reinickendorfer aber in der Flut der Anfragen und lassen sich diese Arbeit gerne abnehmen. Für die Schulen ist das Projekt ein Fortschritt.Die KirchBauhof-Mitarbeiter überprüfen die Computer nicht nur, sondern fragen die neuen Nutzer auch, was sie in Zukunft mit dem Gerät machen wollen.Je nach Bedarf werden dann zum Beispiel CD-ROM-Laufwerke und Netzwerkkarten eingebaut.Diese "Neuausstattung" der Rechner wird zum Teil von dem Senatsprojekt "Computer in die Schulen" (Cids) bezahlt.Wenn die Umrüstung eines Computers besonders aufwendig ist, wird die Schule auch schon mal zur Kasse gebeten."Mehr als dreihundert Mark pro Gerät", schätzt Mathias Roß, "müssen die Schulen aber auf keinen Fall zahlen". Wenn es später mit dem neuen "Superhirn" Probleme gibt, können die Lehrer sich wieder an die Kreuzberger Firma wenden.Übrigens: Hauptschulen scheinen derzeit in Berlin besser mit Computern ausgestattet zu sein als Gymnasien.Nach Angaben des Landesschulamtes müssen sich in Berlins Gymnasien 52 Schüler ein Gerät teilen, in den Hauptschulen dagegen nur 25. "ECO-PC" will aber mehr, als den computerlosen Jugendlichen an Berlins Schulen helfen.Für das Projekt sind rund fünfzig Männer und Frauen neu eingestellt worden.Ihre Stellen sind befristet und werden vom Arbeitsamt und durch die Senatsverwaltung bezahlt.Mit "ECO-PC" sollen also nicht nur Computer für die Schulen, sondern vor allem auch Nähere Informationen gibt es bei Klaus Nolopp, KirchBauhof gGmbH, Forster Str.5, 10999 Berlin, Tel: 611 34 35, Fax: 611 34 35.

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