Zeitung Heute : Neue Irritationen zum Jahrtausendwechsel

JOACHIM ZEPELIN

Weltweit arbeiten sich Experten, die noch über veraltetes Programmierer-Wissen verfügen, durch Großrechneranlagen, um das "Jahr-2000-Problem" zu lösen.Vor allem betagte Computer würden nämlich ohne korrigierende Hilfe am Morgen nach der Jahrtausendwende nicht mehr wissen, was die Stunde geschlagen hat.Weil alte Software nur zwei Stellen für die Jahreszahl kennt, finge für sie noch einmal das 20.Jahrhundert mit dem 1.Januar 1900 an.Die Folge: Rentner verlören ihren Anspruch auf das Ruhestandsgehalt, weil sie für den Computer noch gar nicht geboren wären.

Gerade scheinen Verwaltungen und Unternehmen das Problem durch Milliarden-Investitionen noch pünktlich in den Griff zu bekommen, da droht nur 59 Tage nach dem Tag X schon wieder neue Unbill, die möglicherweise auch bislang Unbetroffene zu Betroffenen macht.Es zieht ein Tag herauf, der eigentlich ausfallen müßte, es aber doch nicht tut und darum manchen Computer ausfallen läßt.

Weil die Erde nicht genau 365 Tage braucht, um einmal die Sonne zu umrunden, sondern einen Vierteltag länger, gibt es alle vier Jahre einen 29.Februar, also ein Schaltjahr.Die Regel gilt seit Julius Caesar, hat aber einen kleinen Fehler von 11 Minuten und 14 Sekunden.Soviel ist die Erde nämlich jedes Jahr schneller um die Sonne herum als die durchschnittlich 365 plus ein Viertel Tage.

Papst Gregor XIII.nahm sich der schleichenden Zeitverschiebung im 16.Jahrhundert an, als sich der Frühlingsanfang schon auf den 11.März vorgemogelt hatte.Der irdische Stellvertreter des Erdenschöpfers ließ kurzerhand zehn Tage ausfallen, um den Planeten wieder ins zeitliche Lot zu bringen.

Um ähnliche Ausfälle für alle Zukunft zu verhindern, legt der gregorianische Kalender seitdem fest, daß alle 100 Jahre das Schaltjahr ausfällt.Und um es schließlich ganz genau zu machen, fällt in allen durch 400 teilbaren Jahren das eigentlich ausfallende Schaltjahr doch nicht aus.Im Klartext: Eigentlich dürfte es im Jahr 2000 wegen des Jahrhundertwechsels kein Schaltjahr geben.Weil 2000 aber durch 400 teilbar ist, gibt es doch einen 29.Februar.

Das stellte jetzt auch die amerikanische Federal Aviation Administration (FAA) fest.Die Flugbehörde verfügt über ein voll funktionsfähiges Hard- und Softwaremuseum, in dem sogar noch Röhren zu besichtigen sind.Mit dieser Ausstattung werden täglich tausende Flüge über Nordamerika geplant.Das läuft in der Regel reibungslos, doch als ein Beamter jetzt probierte, einen Flug auf den 29.Februar im Jahr 2000 zu legen, lautete das Ergebnis: negativ, den Tag gibt es nicht.

Unter anderem aufgrund dieser Warnung hat man nun bei der FAA beschlossen, die gesamte Anlage fit für das Millennium zu machen.Jack Ryan, ein Flugverkehrsexperte der Luftverkehrsvereinigung, sieht die 59 ersten Tage des neuen Jahrtausend als ein Gottesgeschenk an, "für die besonders Zögerlichen unter uns"



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