Zeitung Heute : Neue Männer braucht das Land

Warum es so schwierig wäre, einen Ersatz für den BA-Chef zu finden – und wer vielleicht trotzdem in Frage kommt

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Seit Dienstagmorgen ist es den Beteiligten in der Bundesregierung klar, dass sie sich dringend nach einer Nachfolge für Florian Gerster umsehen müssen. Am Tag zuvor hatte es bereits eindeutig zu verstehende Signale dafür gegeben, dass sich nunmehr auch die Arbeitgeber im Aufsichtsgremium der Bundesagentur, die bis zuletzt eisern an Florian Gerster festgehalten hatten, gegen den umstrittenen Mann wenden würden. Auch die Wünsche, die der Bundeskanzler am Dienstag aus dem fernen Afrika telefonisch in die Regierungszentrale und das Bundeswirtschaftsministerium übermittelt hatte, seien eindeutig: Es geht nicht mehr!

Der personelle Neuanfang in Nürnberg ist aber heikel, weil er ein zentrales Element der zweiten rotgrünen Amtszeit betrifft: die Neuregelung des Arbeitsmarktes und der Arbeitsverwaltung. Zwar will an die hochfliegenden Erwartungen, die von der Hartz-Kommission geweckt worden waren, heute lieber niemand mehr erinnert werden. Dass aber der beherzte und zügige Umbau der früheren Bundesanstalt für Arbeit hin zu einer modernen Dienstleistungsagentur weiterhin ein zentrales Betätigungsfeld bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist, gilt unverändert. Anhaltende Unruhe an dieser Front kann die Bundesregierung daher überhaupt nicht zu gebrauchen.

In ebendiesem Umstand liegt die Schwierigkeit beim personellen Neubeginn begründet. Es muss ein wirklich überzeugender Name her, einer, dem man zutraut, aus dem Stand heraus dort weitermachen zu können, wo Gerster jetzt aufhören muss. Allzu viele Personen gibt es aber nicht, denen man einerseits die Umsteuerung einer Arbeitsverwaltung, die immer noch rund 90000 Mitarbeiter umfasst, zutraut, und die fachlich derart in der Materie stecken, dass sie keine lange Anlernzeit in Anspruch nehmen müssten. Nebenbei sollte der neue Chef der Bundesagentur ein sicheres, aber kein übertrieben selbstgewisses Auftreten haben. Neben seiner fachlichen Eignung wären jetzt auch eine freundliche Wesensart im Umgang mit Parlamentariern und geschmeidige Kommunikationsbegabungen für den Umgang mit den Medien durchaus angebracht.

Derzeit werden drei Namen in Berlin gehandelt, die diese Bedingungen aufgrund ihrer bisherigen Tätigkeit mehr oder weniger zu erfüllen versprechen. Einer von ihnen ist Gerd Andres, gegenwärtig einer der parlamentarischen Staatssekretäre in Clements Ministerium. Andres, ein Westerwälder, der aber seit langem schon Gerhard Schröders niedersächsischem SPD-Landesverband angehört, war zuvor unter Walter Riester im Arbeitsministerium tätig und ist bestens als eine der Leitfiguren des Seeheimer Kreises – ein Zusammenschluss eher rechter SPD-Abgeordneter – politisch vernetzt. Persönliche Gründe könnten aber gegen seinen Wechsel nach Nürnberg sprechen. Gleichfalls genannt wird Harald Schartau, SPD-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen und dort Landesminister für Wirtschaft und Arbeit. Er gehörte im Übrigen der Hartz-Kommission an. Der dritte Name ist Alfred Tacke, ein alter Gefolgsmann von Schröder seit Hannoveraner Tagen, der gegenwärtig beamteter Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium ist. Einen Nachteil haben indes alle drei: Sie würden im Falle ihres Wechsels eine schwierig zu schließende Lücke in ihren gegenwärtigen Tätigkeitsfeldern reißen. Tsp

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