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Neue Stiftung : Sinti und Roma wollen sich selbst helfen

28.10.2012 00:00 Uhrvon
Vorbildlich. In einem Wohnprojekt in Berlin-Neukölln leben 600 Roma. Die neue Stiftung will Wohnsituation und Bildungsbeteiligung der Minderheit verbessern. Foto: Steffi Loos/dapdBild vergrößern
Vorbildlich. In einem Wohnprojekt in Berlin-Neukölln leben 600 Roma. Die neue Stiftung will Wohnsituation und Bildungsbeteiligung der Minderheit verbessern. Foto: Steffi Loos/dapd - Foto: dapd

Mit einer neu gegründeten Stiftung wollen Sinti und Roma die Lage ihrer Minderheit in Deutschland verbessern.

Deutsche Sinti und Roma wollen mit einer neu gegründeten Stiftung die nach wie vor bedrückende Lage ihrer Minderheit verbessern. Die Hildegard-Lagrenne-Stiftung – benannt nach einer Bürgerrechtlerin und Überlebenden der NS-Vernichtungspolitik – soll sich vor allem Bildung, Wohnsituation und der hohen Arbeitslosigkeit von Sinti und Roma widmen. Einer Studie zufolge haben 44 Prozent von ihnen keinen Schulabschluss. In der Gesamtbevölkerung sind das knapp vier Prozent.

Die Vertreter von 34 Roma-Einzelorganisationen hatten sich am Tag nach der feierlichen Eröffnung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma in Berlin zur Gründung der Stiftung zusammengetan.

„Das Mahnmal ist sehr wichtig für uns“, sagte ihr Sprecher Daniel Strauß dem Tagesspiegel. „Der symbolischen Geste sollen nun auch konkrete Maßnahmen folgen.“ Strauß ist Vorsitzender des baden-württembergischen Landesverbands des Zentralrats der Sinti und Roma und engagiert sich bei „Romno Kher“, einer Einrichtung für Bildung und Antiziganismusforschung. Dort entstand auch die Studie, die eine dramatisch geringe Bildungsbeteiligung von Sinti und Roma auch in Deutschland feststellte. Demnach sind oder waren zehn Prozent der jungen Sinti und Roma zwischen 14 bis 25 Jahren nicht einmal in der Grundschule. Dasselbe gilt für 40 Prozent der über 51-Jährigen.

Dennoch erklärte die Bundesregierung der EU-Kommission vor einem Jahr, es gebe keinen Handlungsbedarf. Im Strategiepapier, das Brüssel von allen EU-Mitgliedern bis Ende 2011 eingefordert hatte, heißt es: „Die in Deutschland lebenden Sinti und Roma sind gut integriert.“ Das sähen die Betroffenen auch selbst so. „Eine besondere Roma-Strategie ist hier nicht erforderlich“, heißt es in dem Schriftsatz, auch nicht „für diejenigen ausländischen Roma, die im Wege der Zuwanderung oder als Flüchtlinge nach Deutschland kommen und ein Recht zum dauernden Aufenthalt haben“. Ausländische Roma kommen meist vom Balkan nach Deutschland. Gerade in dieser Woche, einen Tag nach der Mahnmals-Feier, verkündete das Innenministerium, man wolle für Mazedonien und Serbien die Visapflicht wieder einführen.

Ferda Ataman vom neugegründeten Mediendienst Integration nannte es „bezeichnend für die Situation von Sinti und Roma, dass bis jetzt weder die dramatischen Ergebnisse einer ersten Bildungsstudie noch das nationale Strategiepapier öffentlich überhaupt wahrgenommen worden sind." Strauß sieht für seine Community den Zeitpunkt zum Handeln gekommen: „Nachdem die Bundesregierung schwarz auf weiß erklärt hat, Roma und Sinti seien in Deutschland bestens integriert und brauchten keine besonderen Maßnahmen, ist uns überdeutlich geworden, dass wir selbst handeln müssen“, sagt Strauß. Dazu sei es aber auch nötig, dass die Bundesregierung ihre Haltung ändere.

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