Zeitung Heute : Neue Verunsicherungen um Windows 98

KURT SAGATZ

Die alte Computerweisheit "Never change a runnig system" scheint sich wieder einmal zu bewahrheiten.In entsprechenden Foren zum neuen Microsoft-Betriebssystem Windows 98 - unter anderem beim Online-Dienst AOL und auch im Internet - haben derzeit besonders die Themenbereiche Zulauf, in denen Tips zum Umgang mit Installations- oder Kompatibilitätsproblemen beim Umstieg auf das neue System gegeben werden.Eine Reihe von amerikanischen Hardwareherstellern haben sich AOL zufolge bereits warnend gegen ein Upgrade älterer Systeme auf Windows 98 ausgesprochen, zumal Probleme mit älteren Motherboards und den Stromsparfunktionen von Laptops nicht auszuschließen sein.

Bei Microsoft Deutschland werden diese Warnungen bislang ignoriert.Solange die Firmen nicht direkt oder auf ihren Internet-Seiten offiziell vor dem Wechsel auf Windows 98 warnten, müsse man die Diskussion als Gerücht aus dem Internet behandeln, hieß es dort gegenüber dem Tagesspiegel.Daß es Probleme beim Umstieg geben kann, wurde allerdings nicht abgestritten.Selbst wenn man 4000 Computer mit insgesamt 2000 weltweit vertriebenen Peripherie-Produkten mit der neuen Software getestet habe, könne es immer einzelne Geräte oder Komponenten geben, für die bislang keine Treiber existierten, erklärte Microsoft.Dies ist nicht zuletzt ein Seitenhieb in Richtung der Hersteller, die trotz Aufforderung ihre Treiber nicht pünktlich für die Installations-CD fertiggestellt hätten.

Insgesamt sei die Fehlerproblematik zudem geringer als vor drei Jahren beim Wechsel vom alten 16-Bit-Betriebssystem Windows 3.x auf das 32-Bit-System Windows 95.Überdies rät das Unternehmen in Zweifelsfällen dazu, sich im Internet die sogenannte Hardware-Kompatibilitätsliste anzusehen.Dort werden sämtliche getesteten Hardwarekomponenten mit entsprechenden Vermerken über die Kompatibilität aufgelistet.Erster Schritt sollte jedoch sein, die auf dem Computer im Verzeichnis Windows befindliche Textdatei allgem.txt durchzulesen, die auf diverse Problem eingeht und Lösungen anbietet.

Während Microsoft hier bereits hilfreich zur Seite steht, wird ein Bericht der "PC-Welt", wonach bereits an einem Service Pack für Windows 98 gearbeitet wird, von Microsoft heftig bestritten.Service Packs dienen wie beispielsweise beim Officepaket 97 dazu, zwischenzeitlich bekannt gewordene Fehler oder Probleme zu beheben.Bekannt sind solche Packs auch unter den Namen Patches oder Bugfixes.Zu Windows 98 sei derzeit jedoch definitiv keine Service Pack am Horizont zu sehen, so die deutsche Presseabteilung.Allerdings sei wohl in den USA die Herausgabe von diversen Multimedia-Erweiterungen für Windows 98 im Gespräch.Dabei gehe es jedoch um die Bereitstellung von DirectX 6, einem vor allem im Spielebereich rege genutzten Tool.

Die Aufregung um Windows 98 versteht neben Microsoft auch die Computerfachhandelskette Vobis nicht.Von Warnungen vor einem Umstieg sei in ihrem Hause nichts bekannt, erklärte Pressesprecherin Janet Spacey-Rennings auf Anfrage.Da die Laptops bei Vobis bereits mit Windows 98 vorinstalliert und entsprechend angepaßt verkauft würden, gebe es auch keine Probleme mit der Stromsparfunktion.

Eine häufige Ursache für Probleme beim Umrüsten eines älteren Systems auf Windows 98 könnte nach Ansicht von Microsoft sein, daß vielfach nicht über das bestehende Windows 95 "drüberinstalliert" wird, sondern eben komplett neu auf eine frisch formatierte Festplatte.Hierdurch würden auch jene speziellen Treiber entfernt, die Windows 98 benötigt.Sollte also Windows 95 zuvor funktioniert haben, sei eine direkte Installation der neuen Version auf das alte Betriebssystem vorzuziehen.Allerdings stellt sich dann die eingangs behandelte Frage, warum überhaupt das laufende System gewechselt werden soll?

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