Zeitung Heute : Neue Zielgruppe gesucht

MAURICE SHAHD

Die 1&1 Internet GmbH gehört zu den wenigen Providern, die mit einem offensiven Marketing auf Kundenfang gehen.In zahlreichen Zeitschriften und Magazinen finden sich sie rot-blauen Beilagen des Dienstes."Viele kleinere Provider haben gar nicht das Geld für große Werbeaktionen.Zudem muß eine große Kundenzahl auch organisatorisch bewältigt werden", erklärt Manfred Barth, Pressesprecher von 1&1.Tatsächlich ist die Providerbranche überwiegend mittelständisch geprägt.Den großen Online-Diensten T-Online, AOL und CompuServe stehen eine Reihe kleinerer und mittlerer Provider gegenüber, die überwiegend regional aktiv sind.Viele der Internet-Dienstleister spezialisieren sich zudem auf Geschäftskunden, da der Serviceaufwand geringer und die Gewinnspannen größer sind.Auch das Unternehmen 1&1 gehört zu den mittelständischen Firmen, ist aber bereits seit 1988 in der Computerbranche als Marketingspezialist aktiv.Im März diesen Jahres ist das Unternehmen an die Börse gegangen.Schon vorher wurde mit einem innovativen Produkt der Schritt in den Internet-Markt gewagt.In Zusammenarbeit mit der Bank 24, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, wird ein Internet-Zugang in Verbindung mit einem kostenlosen Konto angeboten.Für den Internet-Anschluß fällt keine Grundgebühr an, nach Verbrauch von zwei Freistunden kostet jede weitere Stunde 4,20 DM.Interessant ist das Angebot vor allem für Anwender, die überwiegend das Homebanking nutzen wollen.Wer dagegen länger als zehn Stunden im Internet surft, für den wird es schnell teuer, zumal das Konto der Bank 24 auch ohne den Internet-Zugang von 1&1 gebührenfrei ist.



Inzwischen bietet 1&1 ein neues Preismodell, mit dem neue Zielgruppen angesprochen werden sollen und das im Mittelpunkt dieses Tests steht.Der Tarif "Internet-Profi" kostet eine DM pro Tag, wobei sich Monatspauschalen zwischen 28 und 31 DM ergeben.Im Preis enthalten sind 5 E-Mail-Adressen und sogar 10 Megabyte Speicherplatz für die eigene Homepage."Damit richten wir uns vornehmlich an Profisurfer, Freiberufler und andere Selbständige", beschreibt Barth die Zielgruppe.Nicht nur mit diesen Leistungen setzt sich der Dienst deutlich von der Konkurrenz ab.Wer über einen ISDN-Anschluß verfügt, kann durch die Bündelung von zwei Kanälen Übertragungsraten bis 128 000 Bit pro Sekunde erreichen.Im Test funktionierte die Kanalbündelung, auch Multilink genannt, einwandfrei.Es wurde eine tatsächliche Übertragungsrate in Höhe von 10,7 Kilobyte pro Sekunde erreicht.Allerdings muß berücksichtigt werden, daß bei der Nutzung von beiden Telefonleitungen auch doppelte Telefongebühren anfallen.Und noch einen außergewöhnlichen Service bietet 1&1: Besitzer eines Handys oder eines T-Skyper-Gerätes werden automatisch benachrichtigt, wenn eine E-Mail eingegangen ist.Auf dem Display wird der Absender und die Betreff-Zeile eingeblendet.



Zum Test: Für die Einrichtung des Zugangs wird - im Gegensatz zum Tarif mit Online-Banking - kein Handbuch mitgeliefert.Bei technischen Fragen kann in den ersten drei Wochen eine Hotline mit Dortmunder Nummer angerufen werden, wobei "nur" die Telefongebühren anfallen.Nach den drei Wochen muß eine 0190-Nummer gewählt werden, bei der 3,63 DM pro Minute berechnet werden.Beide Hotlines sind an jedem Tag der Woche rund um die Uhr besetzt.Auf einer CD-ROM ist der neueste Internet Explorer und einige weitere Internet-Programme abgelegt.Eine kurze Konfigurationsanleitung ist ebenfalls vorhanden.Verschiedene Websites des Dienstes versorgen den User mit ausreichend inhaltlichem Input.Gute Werte erreicht 1&1 im Geschwindigkeitstest.Analog wurde bei der Übertragung der 486 Kilobyte großen Testdatei eine durchschnittliche Übertragungsrate in Höhe von 3,8 Kilobyte pro Sekunde erreicht.Per ISDN lag der Durchschnitt (ohne Kanalbündelung) bei 6,0 Kilobyte pro Sekunde.



Der große Wehrmutstropfen dieses Tests: Am Ende des Testzeitraums war der Dienst zeitweise nicht erreichbar.Pressesprecher Barth begründete die Störungen mit "Problemen im Sprachnetz der Telekom".Läßt man die Störung außer acht, wäre der Dienst ein Kandidat für eine "sehr gute" Bewertung gewesen.Die zeitweise Nichterreichbarkeit des Dienstes führt zur Abwertung.Wir vergeben ein "knapp gut".

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