Zeitung Heute : Neuer gefährlicher Computer-Virus

Ein äußerst gefährlicher Virus aus Taiwan ist in Deutschland aufgetaucht: "CIH" überschreibt am 26.eines Monats Teile des Startprogramms im Flash-BIOS eines Rechners und zerstört zudem die Partitionstabelle der Festplatte.Dies haben Versuche von Experten für die Computer-Zeitschrift "Chip" bestätigt.Die Folge: Beim Einschalten "hängt" der PC, noch bevor Text am Bildschirm erscheint - nur die Festplatte läuft an.Solange der Flash-Baustein nicht ausgetauscht wird, kann der Rechner nicht mehr gebootet werden.CIH ist damit der erste Virus, der es zur Beseitigung seiner Folgen erforderlich macht, den Rechner zu öffnen.Nach dem kostspieligen Austausch des BIOS-Bausteins über Fachhandel oder Hersteller funktioniert zwar der Rechner wieder, aber der Eigentümer wird wenig Freude daran haben, weil der aus Taiwan stammende Virus auch die Daten und Systembereiche auf der Festplatte zerstört.

Der nur etwa ein Kilobyte große Virus infiziert EXE-Dateien unter Windows 95 und Windows 98 und ist in Deutschland bereits auf raubkopierten CD-ROM mit Windows 98 und Office 97 gesichtet worden.Der Virus ist unter Windows immer aktiv im Speicher.Dabei nutzt er eine komplizierte Technik, bei der er sich von der Anwendungsebene sofort in die abgeschottete Windows-System-Speicherbereiche einnistet, auf die er eigentlich keinen Zugriff haben sollte: Möglich machen das eine Reihe von Fehlern in Windows 95 und Windows 98.Dort kann er praktisch unsichtbar sein schädliches Werk treiben: Er infiziert jede Datei, die geöffnet wird, egal aus welchen Grund.

Aber damit nicht genug: Seine Schadensfunktion kommt jeden 26.eines Monats, bei einigen Versionen nur am 26.April zum Zuge.Dabei überschreibt er Teile des Flash BIOS des Motherboards (Hauptplatine).Anschließend zerstört er alle Daten auf allen lokalen Festplatten durch Überschreiben.Auf vielen Rechnern hängt sich das System vor dem Überschreiben des BIOS zwar auf allerdings geschieht das nicht immer.Nach Analysen von Datafellows, einer Vertriebsfirma des bekannten Virenscanners F-Prot, funktioniert die Killer-Aktion nur auf Motherboards mit TX-Chipsatz.Bei HX-, LX- und BX-Chipsätzen, wie sie im Pentium II benutzt werden, passiert nichts.Dies ist aber noch nicht endgültig geklärt.Nach ersten Analysen im CHIP-Testlabor ist beispielsweise das verbreitete Asus-Board P55T2P4 (Rev.3.1) betroffen.Ein Schreibschutz-Jumper kann aus technischen Gründen nur wirksam sein, wenn als BIOS-Baustein ein Intel-Flash-ROM zum Einsatz kommt.

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