Neuer Streit : Bahn will Hilfe vom Land für Stuttgart 21
29.11.2011 00:00 UhrBerlin/Stuttgart - Nach der Volksabstimmung über den umstrittenen Bau des Stuttgarter Durchgangsbahnhofs droht neuer Streit über etwaige Mehrkosten. Die Deutsche Bahn erklärte am Montag, eine „kritische Begleitung“ der Arbeiten, wie sie die baden-württembergische Regierung angekündigt hat, reiche nicht aus. „Wir erwarten eine aktive Unterstützung“, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube in Berlin. Technikvorstand Volker Kefer wertete die deutliche Mehrheit gegen einen Ausstieg aus dem Projekt als einen „Wählerauftrag, der ganz klar auch die Landesregierung einschließt“. Im Fall eines Kostenanstiegs müsse darum auch das Land dafür aufkommen.
„Es darf sich niemand in die Ecke setzen und sagen: ich nicht“, sagte Grube. Zwar betonte er, dass er fest daran glaube, den Kostenrahmen einhalten zu können. Die Diskussion darüber sei jedoch noch nicht beendet.
Auch die planmäßige Fertigstellung des Baus wollte er nicht garantieren: „Ende 2019 fertig zu werden ist eine große Herausforderung. Ich lege meine Hand dafür nicht ins Feuer.“ Schlichtungsprozedere und Volksentscheid hätten ein Jahr gekostet, sagte Kefer. Die entstandenen Zusatzkosten schätzte er auf 50 Millionen Euro.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte am Sonntag das Votum für Stuttgart 21 akzeptiert, von der Bahn aber gefordert, alle Kosten, die über die avisierten 4,5 Milliarden Euro hinausgingen, zu übernehmen. Am Montag schob der Grünen-Politiker jedoch hinterher, das Projekt nicht noch über die Kostenfrage kippen zu wollen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich unterdessen erfreut über das Ergebnis der Abstimmung, das eine „wichtige Infrastrukturmodernisierung“ ermögliche. Der frühere Stuttgart- 21-Schlichter Heiner Geißler sagte im Gespräch mit dem Tagesspiegel, er rechne damit, dass die Bahn zur Idee eines Kombi-Bahnhofs zurückfinde, wenn sich der Bau nicht zu den derzeit veranschlagten Kosten realisieren lasse.








