Neues vom Planeten MODE : Strick- Invader

Wlada Kolosowa

Der Champagner ist getrunken, die Freudentränen getrocknet, die Hände geschüttelt, die Interviews gegeben. Und nun? Was ändert sich im Leben eines Modeschülers, nachdem er zum „Designer for Tomorrow“ gekürt wird? Parsival Cserer, der bei der letzten Fashion Week den Nachwuchspreis von Peek & Cloppenburg abräumte, machte genau das, was er schon Jahre zuvor tat: Er setzte sich an die Maschine und strickte. Sechs Stunden täglich, ein halbes Jahr lang – damit seine Kollektion rechtzeitig für die aktuelle Modewoche fertig wird.

Neu war nur, dass Cserer von Montag bis Sonntag arbeitete, die Werkstätten seiner Kunsthochschule in Weißensee waren am Wochenende geschlossen. Nachdem er aber sein eigenes Atelier bekam, war nur der eigene Körper das Limit: „Die Strickmaschine wird von Hand betrieben, Strom brauche ich nur für die Programmierung der Stoffmuster.“ Die leuchtenden, mandalaartigen Ornamente seiner Frauenkollektion wirken fast psychedelisch. Cserer hält an dem Rezept seiner Wettbewerbskollektion „Good Morning, Miss Obama“ fest: Auch am Freitag wird er Stoffe zeigen, die halb an Space-Invaders erinnern und halb an den abstrakten Künstler Peter Kelley.

Cserer wird Kleider, Röcke und Boleros zeigen, die aus Mohair, Seide und Kaschmir sind, aber schwerelos scheinen. Sogar ein Brautkleid ist dabei. „Strick ist wie Gel, wie eine Flüssigkeit, die du über jede Form gießen kannst,“ sagt er. Wie es nach seiner ersten professionellen Show weitergeht? Nur so viel: Es gibt schon Angebote. Aber anders als seine bunt gemusterten Entwürfe ist Cserers Zukunft noch ein weißes Blatt.

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