Neues vom Planeten MODE : Wohltuend unperfekt

Grit Thönnissen freut sich über Berliner Designer in Kopenhagen

Grit Thönnissen

Kollektive sind in Berlin etwas aus der Mode gekommen, doch im vergangenen Jahr haben sich sechs Designer zusammengetan, um Berliner Mode international sichtbarer zu machen. Einzeln sind sie mit ihren Kollektionen längst in Europa, in Japan und auch Übersee präsent.

Und da der Modedesigner im eigenen Land (vor allem, wenn es Berlin ist) oft wenig gilt, machte sich das „Fashion Collective Berlin“ (FCB) am Mittwoch auf nach Kopenhagen. Ein gutes Dutzend deutsche Designer ist auf der Copenhagen Fashion Week präsent, davon immerhin acht aus Berlin und sieben Mitglieder des FCB: Anntian, Ansoho, Antonia Goy, Majaco, Pulver, Mongrels in common, Reality Studio und LalaBerlin. Etwas haben die Berliner nämlich von den Skandinaviern gelernt: „Zusammen nimmt man uns wahr, und am besten auch noch außerhalb von Berlin“, sagt Organisatorin Carola Plöchinger, die ihr eigenes Label IO erst einmal auf Eis gelegt hat, weil es für FOC so viel zu tun gibt.

Damit das mit der Wahrnehmung noch ein bisschen besser klappt, hat das Kollektiv für vier Designer auch noch eine gemeinsame Modenschau organisiert. Dabei sind Anntian, Majaco, Pulver, Reality Studio und LalaBerlin. Im Showkalender steht schlicht: The FCB Fashion Show. Vielleicht etwas zu schlicht, die Reihen waren nur spärlich gefüllt. Dabei gab es Kleidung zu sehen, die zeigt, dass sich in Berlin eine Menge tut. Angefangen mit den schwarzen, halb durchscheinenden Strickkleidern von LalaBerlin, in denen die dänischen Models aussahen wie Kampfelfen, bis hin zu den gewickelten Hosen und kleinen, mit Pailletten besetzten Jacken aus beschichtetem Leinen in der Farbe von Brombeerjoghurt von Reality Studio.

Keine der Designerinnen würde sich wünschen, dass die Zuschauer ihre Mode nach der Schau als „typisch berlinerisch“ bezeichnen würden. Und doch ist sie anders als vieles, was hier von heimischen Designern gezeigt wurde – wohltuend unperfekt, nicht so glatt gebügelt, vielschichtiger und auf den ersten Blick nicht ganz zu erfassen.

Vier Designer mit je 13 Outfits, zwölf Models und eine gelungene Präsentation, das ist die Bilanz nach der ersten Schau des Fashion Collective Berlin. Zu Hause geht es für Carola Plöchinger gleich weiter: Sie wird den gemeinsamen Auftritt von 15 Designern auf der Pariser Modewoche im Oktober vorbereiten.

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