Zeitung Heute : NEUNTE ETAPPE DER 85.TOUR DE FRANCE: Jens Voigt verpaßt Sieg um Zentimeter

PAU .Der Berliner Jens Voigt stahl aus deutscher Sicht Tour-Sieger Jan Ullrich am Montag die Schau.Auf der neunten Etappe der 85.Tour de France von Montauban nach Pau über 210 km fuhr der 26jährige ins Bergtrikot.Voigt wurde nach langer Flucht in einer Dreier-Gruppe im Ziel Zweiter hinter Leon van Bon aus Holland.Das Gelbe Trikot verteidigte der Franzose Laurent Desbiens erfolgreich, die Telekom- Kapitäne Ullrich und Bjarne Riis (Dänemark) kamen zeitgleich mit ihm ins Ziel.13 Sekunden nach van Bon, der den unerfahrenen Voigt im Sprint nur um ein paar Zentimeter bezwang, führte Erik Zabel (Unna) das Hauptfeld über den Zielstrich und fährt weiter im Grünen Trikot.Für den zweifachen Etappengewinner Mario Cipollini war die Tour 13 Tage zu früh in Pau zu Ende - der Italiener stieg 40 km vor dem Ziel aus.

Der bärenstarke Tour-Neuling Jens Voigt hatte schon frühzeitig Ambitionen auf das rot-weiß gepunktete Trikot - seit Virenques Tour-Abgang vakant - angemeldet.In einer neun Fahrer zählenden Ausreißergruppe, die sich schon nach 41 Kilometern auf Initiative des Berliner Gan-Fahrers gebildet hatte, gewann der ehemalige Weltcup-Sieger der Amateure alle drei Bergwertungen des Tages.Bereits nach den ersten beiden hatte er Stefano Zanini das weiße Trikot mit den roten Punkten entrissen, nachdem der Italiener den Anschluß an die Gruppe verpaßt hatte.Voigt hat mit seinen guten Leistungen im ersten Jahr in einer Profi-Truppe der Kategorie I schon das Interesse von Telekom-Teamchef Walter Godefroot geweckt.Der ehrgeizige Berliner könnte vielleicht schon im nächsten Jahr eine Verstärkung nach Maß für Ullrich, Riis, Zabel und Co.darstellen.

"Es war mein Traum, mit diesem Trikot einmal auf dem Podest zu stehen.Aber ob das an den kommenden Tagen noch möglich ist, müssen wir abwarten", sagte ein überglücklicher Voigt."Ich bin noch nie eine so lange Etappenfahrt gefahren.Bei einem anderen Rennen wäre jetzt schon das Ende in Sicht, die Tour geht aber noch fast 14 Tage." Zu lange für Cipollini, der am Montag seiner jahrelangen Gewohnheit folgte und ausstieg.Der italienische Sprintstar - diesmal zum sechsten Male dabei - beendete noch nie eine Tour de France am Ziel in Paris.Dies wird wohl auch bis zum Ende seiner Karriere so bleiben.

Voigt, ehemaliger Trainingspartner aus den Amateur-Zeiten von Erik Zabel, wußte schon vor Beginn der Tour, daß er in der französischen Gan-Mannschaft mit Beginn der Pyrenäen freie Hand habe und nicht mehr als Helfer für den Sprinter Frédéric Moncassin (Frankreich) abgestellt wird.Seinen persönlichen Tour-Höhenflug erlebte er am Montag nur wenige Kilometer von seinem neuen Wohnort in Frankreich entfernt.

Erneut machte drückende Hitze den Fahrern auf dem Weg an den Fuß der Pyrenäen das Leben noch schwerer."Vor allem der plötzliche Wechsel von den relativ niedrigen Temperaturen der ersten Tour-Woche auf hochsommerliche Spitzenwerte macht den Fahrern zu schaffen", beschrieb Telekom-Arzt Lothar Heinrich die besonderen Schwierigkeiten bei Temperaturen um 40 Grad."Unsere Fahrer haben bis zu 20 Trinkflaschen - das sind rund zwölf Liter - Flüssigkeit auf der Etappe verbraucht.Die Jagd nach dem flüssigen Naß bestimmte über weite Strecken des Tages das Geschehen.Dazu empfinden die Fahrer bei der Hitze keinen Hunger, so daß sie abends vor allem kohlehydratreiche Getränke zu sich nehmen müssen", verriet Heinrich.

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