Neuseeland : Schafe bei Olympia

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Schafe werden wohl auch dabei gewesen sein, gestern auf dem Petersplatz in Rom. Zusammen mit Pferden, Rindern, Hühnern, Katzen, Schweinen, eine Art Landgang von der Arche. Es wird ordentlich gemüffelt haben vor dem Petersdom, das Scherzlein, dass es im Vatikan eigentlich immer stinkt, sei aber mal unterdrückt. Wie auch die Frage, ob die schwarzen Schafe denn auch rausgekommen wären auf den Platz, um den Segen des heiligen Mönchsvaters Antonius zu empfangen. Der, ein Einsiedler, wurde in späterer Bestimmung Patron der Haustiere und Tierzüchter, also auch der Schafe und und Schafscherer. Zudem sind zwei Regeln überliefert, die eine stimmt nicht sehr hoffnungsfroh: „Wenn Antoni die Luft ist klar, gibt’s bestimmt ein trocknes Jahr.“ Was bei den gestrigen Wetterumständen im Umkehrschluss nur heißen kann, dass es nun regnen wird, bis Noah die Arche wieder schiffbar machen muss. Einen kleinen Trost hält die zweite Regel bereit: „Große Kälte am Antonistag, manchmal nicht lang halten mag.“ Dass sei den Schafen, sofern sie schon geschoren sind, gegönnt. Auch in anderer Hinsicht können Schafe Antonius’ Segen gut brauchen.

Es ist nämlich ein olympisches Jahr, und wer da keinen Zusammenhang erkennt, war gewiss noch nie in Neuseeland. Dort leben 4,4 Millionen Menschen. Und 40 Millionen Schafe. Die müssen geschoren werden. Und das ist eine Mordsarbeit. Die besten Scherer schaffen es, 700 Schafe in acht Stunden zu rasieren. Dabei legen sie laut dem Verband der neuseeländischen Schafscherer eine Distanz von zwei Marathonläufen zurück. Und schon fügt sich das eine ins andere. Die Neuseeländer möchten nämlich der olympischen Familie beitreten, was analog zum Vatikan insofern Sinn macht, dass es auch in dieser Familie vor schwarzen Schafen nur so wimmelt und zahlreiche Funktionäre mal ordentlich rasiert gehören. Die Chancen, Aufnahme zu finden im olympischen Geiste stehen aber eher schlecht. Allein schon, weil der Standortvorteil einen echten Wettkampf verhindert und die Neuseeländer auf Jahrzehnte hinaus Gold, Silber und Bronze abräumen würden. Es bleibt ihnen wohl weiterhin nur die Tortur der Schur und einigen wenigen einmal im Jahr die Pilgerreise zu Antonius in Rom. Helmut Schümann

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