Zeitung Heute : Never change a runnig system

PETER ZSCHUNKE (AP)

Die endlose Suche nach neuen Treibern beschäftigt PC-Anwender / Probleme bei ErweiterungenVON PETER ZSCHUNKE (AP)Ein PC-Anwender, der noch kein Problem mit den sogenannten Treibern gehabt hat, wird sich wohl nur schwer finden.Treiber, richtig heißen sie Gerätetreiber, sind kleine Programme, die zwischen einer Anwendung, zum Beispiel der Textverarbeitung, dem Betriebssystem und einem Endgerät vermitteln.Das können ein Drucker, die Grafikkarte für den Bildschirm oder auch die Maus sein.Wenn sie nicht oder nicht richtig funktionieren, kommt es zu Fehlermeldungen wie "Es ist kein Papier im Drucker" - und das, obwohl das Papierfach gefüllt ist.Probleme gibt es vor allem dann, wenn neue Teile für den Computer angeschafft werden, wenn zum Beispiel ein Bildschirm mit höherer Auflösung oder ein besserer Drucker angeschafft werden.Dabei gehen die Hersteller bis an die Grenzen des Machbaren und manchmal auch über die Vorgaben hinaus, wie Stefan Leiprecht von Microsoft in München sagt.Und die Vorgaben kommen bei den meisten Personalcomputern vom Betriebssystem Windows 95.Microsoft gibt dabei, wie Leiprecht erläutert, einen Rahmen vor, innerhalb dessen sich die Programme bewegen sollen.Und wenn der - wissentlich oder nicht - überschritten werde, könne es zu Konflikten kommen, wenn zwei Programme auf dieselbe Adresse im Betriebsystem zugreifen.Bei Problemen hilft dann oft nur die Suche nach einem neuen Treiber.Oft gibt es zum Glück mehrere dieser Programme für einen Drucker oder die Grafikkarte.Daß diese Programme so eminent wichtig sind, davon ahnt der Computerneuling nichts.Vielleicht ist es auch besser, daß er nicht ahnt, wieviel Zeit bei der Suche nach dem richtigen Treiber verloren gehen kann.Leiprecht hält das Problem mit den Treibern aber für überschätzt.Bei vielen Computerbesitzern herrsche vielleicht immer noch die Jäger-und-Sammler-Mentalität vor, eine richtige Sammelwut, eine Suche immer nach dem Neuesten, vermutet er.Was man bei anderen Dingen nie tun würde - zum Beispiel einfach mal den Videorekorder oder die Stereoanlage auseinandernehmen und ein neues Teil einbauen - das traue sich beim viel komplizierteren Computer heute fast jeder zu.Leiprecht verweist statt dessen auf eine aus dem Sport entlehnte Weisheit, die da lautet "Never change a running system".Wenn es einmal läuft, sollte man nicht versuchen, um jeden Preis noch das letzte Bit herauszuholen.Dies gilt natürlich nicht bei Systemumstellungen wie zum Beispiel bei der jetzt zu erwartenden von Windows 95 auf Windows 98.Die Zeitschrift "PC Praxis" rät in einem Beitrag, besser mit dem Umstieg auf Windows 98 ein Jahr lang zu warten, denn erst dann gebe es auch die richtigen zum neuen System passenden Treiber, die die Geräte optimal zum Einsatz bringen.Die Suche nach den Treibern scheint inzwischen soviele Menschen zu beschäftigen, daß sich damit offenbar auch Geld verdienen läßt.So bieten inzwischen zahlreiche Firmen komplette CD-ROM-Titel zu diesem Thema an, ob es nun das "Treiber-Genie" von Data Becker oder die "Patchwork-CD" von Mediaobjekts in Regensburg sind.Da finden sich dann auf einer Doppel-Patchwork-CD-ROM zwei Gigabyte mit Verbesserungen zu Hard- und Software, aber auch Neuigkeiten von Microsoft oder der Netscape Communicator.Mitte Oktober 1998 erschien Patchwork bereits zum vierten Mal.Wer einen Internet-Anschluß hat, kann sich natürlich auch direkt bei den Herstellern umschauen, die zumeist eigene Supportseiten mit Treibern unterhalten.Daneben gibt es noch diverse Adressen, wo sich Treiber finden lassen, so beispielsweise unter www.download.com oder www.drivershq.com.Für den, dem das zu umständlich ist oder der einfach nur ständig auf dem laufenden sein will, für den wurden Programme wie Oil Change von Cybermedia entwickelt, die einem die Suche nach dem neuesten Treiber oder der Software-Aktualisierung abnehmen.Auch Computerzeitschriften greifen auf der Suche nach Kunden immer wieder zum Thema Treiber.Auf den beigelegten CD-ROM gibt es dann schon mal 500 oder gar 1000 neue Treiber.Das Computermagazin "Chip" hat inzwischen beim Online-Dienst CompuServe ein eigenes Forum nur für Treiber eingerichtet, das nach eigenen Angaben das größte deutschsprachige Treiberarchiv ist.Hier finden sich einige hundert dieser kleinen Programme, bemerkenswerterweise aber auch eine Rubrik "Alt+Bewährt" - vielleicht muß es ja doch nicht der allerneueste Treiber sein, manchmal macht eine ältere oder einfachere Version den Computer zum "running system".

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