Zeitung Heute : Newsgroups zu (fast) jedem Thema - Foren von A wie Arbeit über N wie Nietzsche bis Z wie Zappa

Kurt Sagatz

Zu den ältesten Errungenschaften des Internets gehören die Schwarzen Bretter, die in der Sprache des Netzes kurz Newsgroups heißen. Sie dienen gleichermaßen der Information und Diskussion und waren anfangs wie das ganze Internet dafür gedacht, den Meinungsaustausch der angesschlossenen Wissenschaftler zu unterstützen. Aus diesem engen Korsett haben sich die Newsgroups längst befreit, inwischen gibt es zu nahezu jedem Thema von A wie Arbeit über N wie Nietzsche bis Z wie Zappa ein Forum. Die genaue Anzahl der Schwarzen Bretter kennt inzwischen niemand mehr, denn je nach Provider wird immer nur ein gewisser Ausschnitt übermittelt. Von den Berliner Providern dürfte wohl Sireco mit über 50 000 Newsgroups die Nase vorn haben. T-Online zum Beispiel überträgt gerade einmal etwas mehr als 12 000 Bretter.

Größte Hürde: Anmeldung

Die Teilnahme an den Newsgroups erfolgt je nach Provider auf unterschiedliche Weise. Bei den reinen Internet-Providern sowie bei T-Online dient in der Regel das E-Mail-Programm (Outlook-Express oder Netscape Communicator) als Zugang. Nach Angabe des News-Servers (bei T-Online ist das news.btx.dtag.de) wird die Liste aller vorhandenen Gruppen vom Provider auf die Festplatte geladen. Um bei AOL an die Newsgroups zu gelangen, wird einfach über den Kennwort-Button der Bereich "usenet" aufgerufen. Auf der nun erscheinenden Oberfläche finden sich weitere Erläuterungen und die Buttons zum Suchen und Bestellen der Schwarzen Bretter.

Ebenso einfach wie bei AOL ist auch die Nutzung des News-Readers in den E-Mail-Programmen. Nach dem Aufruf der Newsgroup-Funktion werden alle verfügbaren Bretter in einem Fenster gezeigt. Nun können die Gruppen nach Stichworten durchsucht werden. Entweder wird - wenn bekannt - der Name der Gruppe (zum Beispiel de.org.ccc für den Chaos Computer Club) eingegeben, oder man sucht nach Begriffen wie Eisenbahn, Tiere, Politik etc. Je nach Begriff verkleinert sich die Liste auf die Bretter, die den gesuchten Begriff erhalten.

Um nun die Beiträge der ausgewählten Gruppe zu lesen, gibt es zwei Möglichkeiten. Wer sich nur kurz einen Überblick verschaffen will, wechselt einfach zur entsprechend markierte Gruppe. Danach werden je nach Voreinstellung zumeist die letzten 300 Kopfzeilen der Beiträge geladen. Wird nun ein Meinungsbeitrag angeklickt, ruft das Programm den Beitrag vom Provider ab. Allerdings bleibt bei diesem Verfahren der Nutzer die gesamte Zeit online. Bei Newsgroups, die häufiger gelesen werden, empfiehlt sich daher, dieses Brett zu "abonnieren". Dies geschieht wiederum über das Selektionsfenster, nur dass diesmal der Button für "Abonnieren" gedrückt wird. Nun können alle neuen Beiträge mit einem Rutsch vom Server geladen und anschließend in Ruhe gelesen werden. Um nicht den Überblick zu verlieren, sollte im Newsprogramm die Option "Diskussionsfaden einblenden" eingeschaltet sein. Dadurch werden die Beiträge nach Themen und Datum sortiert.

Auf die Netiquette achten

Der Sinn der Newsgroups besteht indes nicht allein im Lesen, sondern gleichermaßen im Verfassen eigener Anfragen oder Diskussionsbeiträge. Nach dem Aufruf einer Gruppe besteht entweder die Möglichkeit, auf einen Beitrag eines anderen Users zu reagieren oder eine neue Diskussion anzustoßen. Bei Reaktionen wird vor das Betreff ein "Re:" oder "Aw:" gesetzt, neue Diskussionen erhalten auch ein neues Thema im Betrefffeld. Auch eine gezielte Antwort an den Verfasser ist möglich, die dann per E-Mail gesendet wird. In jedem Fall sollten die Beiträge als reine Text-Botschaften versendet werden, denn die Teilnehmer nutzen die unterschiedlichsten Geräte und Betriebssysteme, auf denen die bunten HTML-Botschaften mit den Sonderschriften nur für unleserliche Mails sorgen.

Unabhängig davon, ob nun als Einzelmail, als Reaktion auf eine laufende Diskussion oder als neues Thema geschrieben wird, gilt es die Netiquette zu beachten. Bei aller Offenheit in der Diskussion gibt es auch im Netz Regeln, die jedoch von Brett zu Brett unterschiedlich ausfallen. Vor dem ersten eigenen Beitrag empfiehlt es sich daher, erst einmal den bisherigen Diskussionsverlauf nachzuvollziehen. Zum einem wird dadurch vermieden, dass bereits besprochene Themen erneut aufgegriffen werden, was nicht selten den Ärger der ständigen Gäste in diesen Foren ärgert. Zum anderen hilft das Revue-Passieren dabei, die Diskussionsteilnehmer und deren Gepflogenheiten näher kennenzulernen.

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