Zeitung Heute : Nicht alles im Netz ist kostenlos zugänglich

ANDREA HOFFMANN

Nicht alles im Netz ist kostenlos zugänglichOnline-Dienste bieten gegen Gebühr zum Beispiel HomebankingVON ANDREA HOFFMANN

Es ist nicht alles Internet, was heutzutage mit dem Begriff "online" zu glänzen versucht.Für manchen jedoch mag ein guter Online-Dienst die bessere Wahl sein, denn im Cyberspace verloren zu gehen, ist nicht jedermanns Sache.Diese Dienste unterscheiden sich vom Internet in mehreren Punkten, vor allem insofern, als sie kommerzielle Unternehmen sind, die einen geschlossenen Service gegen Gebühr anbieten - ganz im Gegensatz zum Internet mit unentgeltlichem Zugang.Inhaltlich zeichnen sich die Dienste vor allem durch exklusive Informationsangebote wie Homebanking oder Datenbankrecherche aus. Der größte unter den deutschen Diensten ist mit etwa 1,2 Millionen Teilnehmern unbestritten T-Online.Hier stellen rund 3000 Anbieter Inhalte und Dienstleistungen ins Netz, die vor allem Banken und Finanzen betreffen, gefolgt von Online-Shopping und allgemeinen Informationen. Viele dieser Informationen kosten jedoch extra. Der besondere Service von T-Online liegt beim Homebanking.Etwa 2,3 Millionen Konten werden inzwischen via Netz "geführt", fast ausschließlich bei den in T-Online vertretenen 1200 Institutionen.Der Grund für die Popularität von T-Online in diesem Bereich liegt vor allem in der eindeutigen Identifikation der Nutzer und dem besonderen Transaktionsverfahren.Doch Homebanking ist nicht nur sicher sondern auch einfach: Geschäfte via Netz kennen keinen Ladenschluß, keine Schalterschlangen und keine langen Anfahrtswege.Acht Mark im Monat kostet hier der Zugang, zuzüglich 1,20 Mark (von 18 bis 8 Uhr) oder 3,60 Mark (tagsüber) pro Stunde.Die Telefongebühren fallen dabei noch extra an. Die Nummer zwei auf dem deutschen Markt ist der amerikanische Anbieter Compuserve.Von den insgesamt fünf Millionen Nutzern weltweit finden sich etwa 360 000 in Deutschland, weshalb in den über 3000 verschiedenen Diensten von Compuserve überwiegend Englisch gesprochen wird.Dabei kann sich Compuserve eines einzigartigen Angebots an Software, Nachrichtenforen und Informationen rühmen. Wie bei T-Online sind die meisten der Mitglieder- und Basisdienste kostenfrei - abgesehen von den Verbindungs- und Telefongebühren: für monatlich zehn US-Dollar (gut 18 Mark) bekommt der Nutzer fünf Freistunden, jede weitere Stunde kostet drei Dollar.Der erste Monat ist kostenfrei - zehn Freistunden eingeschlossen. Der Dritte im Bunde hierzulande ist AOL Bertelsmann, ein Joint Venture des Hamburger Medienriesen und des amerikanischen Stammhauses AOL.Weltweit ist er der größte Dienst, mit knapp acht Millionen Kunden.Bei AOL steht der private Nutzer im Vordergrund: Der Idealkunde stöbert von zu Hause aus im auf Infotainment ausgerichteten Angebot. Zielgruppengerecht bietet AOL eine graphisch ansprechende, bunte Oberfläche und ist sehr einfach zu bedienen.Professionelle Datenbanken etwa, wie sie T-Online und Compuserve anbieten, findet man hier eher selten.Dafür gibt es große und gut sortierte, Software- und Spielebibliotheken sowie Hochglanzzeitschriften in elektronischen Versionen.Namhafte Inhaltsanbieter sind ebenfalls vertreten.In Deutschland ist AOL seit 1995 auf dem Markt, zehn Jahre nach dem Start der US-amerikanischen Mutterfirma.Dabei sind alle Dienste, inklusive des Zugangs zum Internet, bis auf die monatlichen Anschlußgebühren kostenfrei.Für 9,90 Mark kann man zwei Stunden im Monat surfen, danach werden sechs Mark pro Stunde fällig. Noch ein weiterer Anbieter versuchte vor zwei Jahren, sich zu plazieren.Das Konzept des amerikanischen Softwareriesen Microsoft schien schlüssig: Jeder Nutzer des neuen Betriebssystems Windows 95 sollte einfach per Mausklick Mitglied des Microsoft Network (MSN) werden können.Doch weder die Computerbesitzer noch die Informationsanbieter schienen auf das Microsoft Network gewartet zu haben, sie starteten lieber mit großem Enthusiasmus ins weltweit offene Internet.Mit der Umwandlung der MSN-eigenen Technologie hin zu den Internetstandards versuchte man dann bei Microsoft, den Lapsus wieder wettzumachen.Das scheint gelungen zu sein: Immerhin nutzen weltweit 2,5 Millionen Benutzer das MSN Netzwerk, vor allem auch wegen des guten Zugangs ins Internet. Die Mitgliedschaft kostet monatlich zwölf Mark und nach zwei Freistunden zusätzliche sechs Mark pro Stunde.Sie ist jedoch nach wie vor den Windows-95-Benutzern vorbehalten, die zudem über eine Kreditkarte verfügen müssen.Dafür erwartet den Nutzer ein extravagantes Screen-Design, das selbst den buntesten Konkurrenten AOL als blasses Mauerblümchen erscheinen läßt.

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