Zeitung Heute : Nicht flüssig genug für die Fontänen

Der Tagesspiegel

Geld fehlt in Berlin. Und wenn die warmen Tage beginnen, wird im Stadtbild Wasser fehlen: Fontänen, in denen die Sonne glitzert. Und kühle Wasserbecken, in die man heiß gelaufene Füße stecken kann. Nach den Haushaltskürzungen haben viele Bezirke zu wenig Geld, um Wasser, Strom und Unterhaltskosten für ihre Brunnen zu bezahlen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lehnt es ab, Kosten für den Betrieb von Brunnen zu übernehmen, auch wenn es Berliner Wahrzeichen sind. Manchmal funktioniert Sponsoring: Mit gestiftetem Geld oder Tauschgeschäften können in einigen Bezirken zumindest die schönsten Fontänen plätschern. Doch vor allem an Kinderplanschen wird der Wasserhahn geschlossen bleiben.

Am schlimmsten ist es in Mitte: Ausgerechnet im Regierungsbezirk ist kein Pfennig übrig für die etwa vierzig Fontänen, Kaskaden und Kinderplanschen. Deshalb werde kein Brunnen eingeschaltet, wenn sich nicht ein Sponsor dafür finde. „Wir haben keine andere Wahl“, sagt Umweltstadträtin Dorothee Dubrau. Die Bezirkskasse sei leer. „Wir werden in den nächsten Tagen vierzig Firmen anschreiben und um Sponsoring bitten“, sagt sie. Für die beiden Fontänen auf dem Pariser Platz würden 32 500 Euro gebraucht, für den Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus 13 200 Euro. Findet sich kein Interessent, bleiben die Brunnen vor dem Brandenburger Tor und dem Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters trocken. Das gilt auch für den „Brunnen der Völkerfreundschaft“ auf dem Alex, dessen 700 000 Euro teure Sanierung im Sommer abgeschlossen sein soll.

Etwas besser sieht es in der City-West aus: Hier werden die vier größten Brunnen auf dem Breitscheidplatz, dem Theodor-Heuss-Platz, dem Adenauerplatz und dem Rüdesheimer Platz am Gründonnerstag angeschaltet. „Das kostet für dieses Jahr 310 000 Euro“, sagt Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler. Für den „Wasserklops“ auf dem Breitscheidplatz fehlt noch ein Sponsor. Dann könnte sich der Bezirk die 62 000 Euro sparen. Ohne Spender ist auch der Brunnen vor dem Aquarium am Olof-Palme-Platz. In Steglitz-Zehlendorf werden nur zwei der 37 Brunnen angeschaltet: Auf dem Mexikoplatz und dem Hermann-Ehlert-Platz. Am 9. Mai geht es los, die Rechnung geht an den Bezirk.

In Spandau werden vier von insgesamt zwölf Fontänen sprudeln – in der Altstadt. Den Betrieb der Brunnen übernimmt die Dienstleistungsfirma Wall auf eigene Kosten, dafür durfte sie Werbetafeln in Spandau aufstellen. Echtes Sponsoring gibt es hingegen in Neukölln: Wahrscheinlich werden am Gründonnerstag fünf Brunnen angeschaltet, jeder mit einem anderen Sponsor. Die Bewag kommt für den Betrieb der Fontäne vor dem Rathaus auf, den Brunnen am Schulenburgpark zahlt der Einzelhändler „OBI“ und private Sponsoren kommen für das Becken am Parkfriedhof auf. Für den Brunnen am Lipschitzplatz soll bald ein Wohnungsbauunternehmen gewonnen werden, und für den Brunnen auf dem Karl-Marx-Platz hofft das Bezirksamt auf die Vereinigung der Markthändler.

„Wir haben das Brunnenproblem dauerhaft gelöst“, sagt Gerhard Lawrentz, Baustadtrat in Tempelhof-Schöneberg. Alle Brunnen werden von der Firma Wall unterhalten – dafür darf sie in diesem Bezirk kräftig werben. Am 1. Mai geht es hier los. Auch in Pankow ist Wall im Geschäft mit 16 Brunnen und 3 Großwerbetafeln. Neun weitere Brunnen zahlt Pankow selbst.

Auch in Kreuzberg-Friedrichshain gibt es einen Sponsor: Den Betrieb der „Friedenssäule“ auf dem Mehringplatz finanziert das Hotel „Stuttgarter Hof“. Für sechs größere Fontänen und unzählige Kleinbrunnen muss der Bezirk aber selbst zahlen. Und für den Wasserfall im Victoriapark beantragte Baustadtrat Franz Schulz eine Ausnahmegenehmigung, um ihn mit Grundwasser betreiben zu können: „Sonst wäre die Anlage, bei der das Wasser im Boden versickert, unbezahlbar.“cdz

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