Zeitung Heute : „Nicht immer ist der Kakao schuld“

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Johannes KleinHeßling vom Institut für Pädagogische Psychologie und Gesundheitspsychologie der Humboldt-Universität hat zusammen mit seinem Kollegen Arnold Lohaus das Stressbewältigungstraining „Bleib locker“ für Kinder im Grundschulalter entwickelt. Das Programm wird inzwischen auch von Krankenkassen angeboten.

Herr Klein-Heßling, woran können Eltern erkennen, ob ihre Kinder Hilfe brauchen?

Einfache Signale gibt es nicht. Aber man sollte hellhörig werden, wenn Kinder unter körperlichen Beschwerden leiden, deren Ursachen nicht herauszufinden sind, die aber immer wieder im Zusammenhang mit bestimmten Ereignissen auftreten. Wenn die Bauchschmerzen regelmäßig vor Klassenarbeiten kommen, ist vielleicht nicht nur der kalte Kakao schuld.

Was können die Kinder in Ihrem Programm lernen?

Den Begriff „Stress“ kennt heute jedes Grundschulkind. Daran kann man anknüpfen. Wir zeigen ihnen, woran sie Stress bei sich selbst bemerken können. Meist wissen die Kinder aber nicht, was sie dagegen machen können. Wir sprechen deshalb über Entspannungs- und Beruhigungsmöglichkeiten und Wege, sich im Alltag Freiräume zu schaffen. Manche Kinder haben aber auch Spaß daran, eine systematische Entspannungstechnik zu erlernen, die sie später allein anwenden können. Wir üben mit ihnen, sich auf bestimmte Stichwörter hin zu konzentrieren. In Rollenspielen kann man zudem lernen, anderen mitzuteilen, wenn man sich gestresst fühlt.

Damit sie sich da hineinsteigern?

Nein, die Kinder lernen, dass etwas Stress zu haben normal und gesund ist, sogar wichtig für die Entwicklung.

Bei kleineren Kindern kann das alles doch noch nicht klappen.

Richtig, dafür ist das sprachliche Verständnis Voraussetzung. Deshalb fangen wir auch erst im Grundschulalter an. Aber auch Kindergartenkinder können bereits einfache Entspannungstechniken lernen, sie können zum Beispiel üben, sich mit Reimen abzulenken und ruhig zu werden.

Mit dem Anti-Stress-Programm kommt aber noch ein Termin in den überfüllten kindlichen Kalender.

Ja, das ist paradox. Aber unser Programm dauert nur acht Wochen, und vielleicht kann man es in die Zeit legen, in der man draußen nicht so schön spielen kann. Und es sollte natürlich die Wirkung haben, kindliche Spielräume freizuschaufeln!

Die Fragen stellte Adelheid Müller-Lissner.

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