Zeitung Heute : Nicht nur für die Großen: Der Internet-Handel

MATTHIAS EICHLER

Ein paar Jahre nach Einsetzen des Internet-Booms ist das Rennen auf die neuen Märkte noch nicht beendet.E-Commerce, elektronisches Einkaufen, heißt nun das Zauberwort.Das Prinzip ist denkbar einfach; ein Internet-Benutzer kauft per Bildschirm Waren ein, die er per Post oder Paketdienst geliefert bekommt und meist per Kreditkarte bezahlt.

Welche Möglichkeiten haben allerdings Händler, die Anbieter eines Internet-Shops werden wollen? Neben Platz im Internet, also einen Provider, der die dauerhafte Verbindung zum Netz gewährt, wird natürlich auch noch die passende Software benötigt.Doch aufgrund des immer größer werdenden Angebotes der verschiedenen Softwarehersteller wird es hier ziemlich undurchsichtig.

Die einfachste Lösung bietet der Berliner Internet-Dienstleister MicroShop.Die Lösung für 30 bis 50 Artikel besteht aus reinen HTML-Dokumenten, in denen der Betreiber des Shops online seine Artikel einträgt und verwaltet.Allerdings unterstützt MicroShop weder ein automatisches Warenwirtschaftssystem, das die Lagerbestände kontrolliert und verwaltet, noch ein automatisches Auftragssystem für den Paketdienst.Dafür ist aber wenigstens für Mitte Juni die Verschlüsselung der sensiblen Daten geplant.Diese werden bisher bei MicroShop unverschlüsselt übertragen.Die Verwaltung eines solchen virtuellen Ladens gestaltet sich also relativ kompliziert und zeitraubend.Die Software von MicroShop ist dafür aber schon ab 14,50 DM im Monat zu haben.

Für eine umfangreichere Lösung muß der Anbieter schon wesentlich tiefer in die Tasche greifen."FrontStore" beinhaltet als Grundlage eine Microsoft-Access-Datenbank, in die Daten wie Größe, Anzahl, Gewicht, Netto- und Bruttopreis, Farbe und vieles mehr für jeden einzelnen Artikel eingetragen werden.Die Verwaltung kann man bei "FrontStore" offline, also auf dem eigenen Rechner vornehmen.Sind die Daten aktualisiert, werden sie per Internet zum FrontStore-Server übertragen, wo das Angebot lagert.Der Anbieter benötigt also keinen eigenen Provider mehr.Eine Verschlüsselung per SSL-Technologie ist hier schon als Standard eingebaut.Dafür kostet das "Startpaket" mit 10 Megabyte auf dem FrontStore-Server 1000 DM.

Für größere Warenhäuser oder sogar Warenhausketten empfiehlt sich eher die Software von "OpenShop" und "Cappuccino" der bayerischen Firma Beans Industry.Beide greifen bestehende Datenbanken der Anbieter auf, egal ob Microsoft-Access-, SQL- oder sonstige Datenbank.Vor allem wird die Anzahl der Artikel nur durch die Leistungsfähigkeit dieser bestimmt."Cappuccino" verfügt standardmäßig über eine Schnittstelle zu KHK- und demnächst auch zu SAP-Warenwirtschaftssystemen.Wo liegt aber der Unterschied zwischen den beiden Programmen, wenn beide sowohl über Online- als auch Offline-Funktionen für den Datenabgleich, gute Datenverschlüsselung und auch über die neuen elektronischen Zahlungsarten verfügen? Im Gegensatz zu dem rund 7000 Mark kostenden "OpenShop" wurde "Cappuccino" komplett in Java geschrieben.Der Anbieter entwirft eine HTML-Seite nach seinem Gefallen, in der dann die Java-Programme von "Cappuccino" laufen.

Der Vorteil dieser Programme ist, daß sie sehr schnell sind.Zu kaufen ist "Cappuccino" aber nicht.Anbieter können die Software aber für 300 bis 500 DM im Monat, je nach Anzahl der Artikel, mieten.Für welche Möglichkeit sich ein Händler allerdings entscheidet, sollte wirklich von Fall zu Fall einzeln geprüft werden.Denn jeder virtuelle Laden im Internet braucht je nach Umfang des Angebots, den zu erwartenden Bestellmengen und den geforderten Sicherheitsstandards eine spezielle Anpassung.

Internet-Adressen

MicroShop: www.microshop.de

FrontStore: www.frontstore.de

OpenShop: www.openshop.de

Cappuccino: www.beansindustry.de

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